Editorial

Deutsches Ingenieurblatt 6/2021
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
unsere Innenstädte befinden sich im Wandel. Es war schon vor Cornona spürbar, die Pandemie wirkt nun lediglich als Katalysator. Die Innenstädte aus den 80er- und 90er-Jahren waren Orte des Konsums; dort fuhren wir hin, um uns einzukleiden, technische Geräte auszuprobieren oder all das zu kaufen, was der Laden an der Ecke nicht hatte. Wenn man ehrlich ist, sind die wenigsten Großstadtkerne „schön“ zu nennen. „Praktisch“ trifft es schon eher. Und wer sein eigenes Kaufverhalten auf den Prüfstand stellt, erkennt vielleicht, dass er schon lange nicht mehr um des Einkaufens Willen „in der Stadt” war. Alles was es dort gibt und noch viel mehr, können wir heute im Internet bestellen. Manchmal mit der Lieferung am gleichen Tag. Und wer dann doch mal ins Zentrum fährt, sieht, dass die Leerstände immer mehr werden und manche Seitenstraße den Charme einer Geisterstadt versprüht; bestenfalls ist da noch das kleine Restaurant, unverändert seit 30 Jahren am Ort, – ein nostalgischer Anblick.

Es sind häufig wieder, wie im Mittelalter, die Kirchtürme, die Orientierung bieten und Stadtidentität stiften. Denn der Rest ist austauschbar. International tätige Filialisten haben sich, immer orientiert an der jeweiligen Kaufkraft, in allen Innenstädten positioniert. Die Fußgängerzonen gleichen sich wie ein Ei dem anderen, und gäbe es nicht den Dialekt der Bewohner, wüsste man oft kaum, in welcher Stadt man sich gerade befindet.

Überraschend kam die Entwicklung nicht. Die Städte sind immer ein Spiegelbild der aktuellen Bedürfnisse seiner Bewohner. In einer Zeit, wo das Auto für die meisten von uns das Fortbewegungsmittel Nummer 1 ist, hat sich auch das Stadtbild daran orientiert. Wo die Luftangriffe im zweiten Weltkrieg ganze Straßenzüge dem Erdboden gleich machten, wurde in den Folgejahrzehnten mit breiten verkehrsreichen Straßen und geräumigen Parkflächen dem Wunsch nach bestmöglicher Erreichbarkeit der Wirtschaftszentren nachgekommen. Doch das hat nun ausgedient. Und es wird viel darüber nachgedacht, wie man den Leerstand und die teilweise wenig einladenden Zentren wiederbeleben könnte. Einige unserer Nachbarländer machen es bereits vor: Sie führen den Autoverkehr so gut es geht um die alten Stadtkerne herum, brechen Flächen auf und begrünen sie, als Begegnungsorte und Räume zum Entspannen. Die Innenstädte werden zu Erlebniszentren umfunktioniert. Es ist sowohl der Versuch, nachhaltiger, ökologischer zu leben als auch, attraktiven Wohn- und Lebensraum dort zu schaffen, wo Gebäude ungenutzt leer stehen. Manche deutsche Stadt setzt das mit ihrer Quartiersplanung ebenfalls um. Der Gedanke, der dahintersteht, ist kein neuer. Unsere Altstädte erzählen noch die Geschichten aus der Zeit, wo die Menschen alles, was sie für ihren täglichen Bedarf benötigten, fußläufig erreichen konnten. Die Gassen und Straßen waren Orte der Begegnung, eine bunte Mischung aus Konsum, Bildung, Heilkunst und Verweilen.

Bedingt durch die Pandemie und ein wachsendes Bewusstsein für den Klimawandel verändern sich nun auch wieder die Mobilitätsgewohnheiten der Menschen. Das führt dazu, dass der öffentliche Raum, und hier insbesondere der Straßenraum, neu verhandelt wird: Welcher Verkehrsträger bekommt und benötigt wie viel Platz? Die Debatten hierüber sind in vollem Gange.

In 15 Minuten, so haben Experten errechnet, sollten alle lebensnotwendigen Geschäfte und Einrichtungen innerhalb eines Quartiers zu Fuß erreichbar sein, damit die Menschen das Auto für ihre täglichen Erledigungen stehen lassen.

Das kann funktionieren, wie zahlreiche Modellstadtteile bereits vormachen. Sicherlich spielen die Erfahrungen während dieser Pandemie, die uns stärker als gewohnt an unseren Wohnort bindet, eine Rolle bei den Überlegungen, wie die Ausgestaltung unserer Städte und Infrastruktur künftig sein sollte. Dennoch: Eine Eintagsfliege ist die Zukunftsfrage unserer Innenstädte nicht. Das zeigte sich bereits im vergangenen Oktober, als Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier zum Innenstadtgipfel einlud.

Unsere Städte sind ein spannendes Zukunftsthema, das insbesondere auf die guten Ideen und Lösungsansätze der kreativen, planenden und gestaltenden Berufe angewiesen ist.

Anzeige

Karriere im Brandschutz – jetzt weiterbilden!

Anzeige_im_Advertorial.jpg
Bild_Saal_5.jpg

Sachverständigentage Brandschutz am 15./16.11.2021
Die Brand­schutz­branche trifft sich und wir freu­en uns auf ein Wie­der­sehen - in Dres­den oder On­line. Er­le­ben Sie ein ab­wechs­lungs­rei­ches Fach­pro­gramm mit pra­xis­ori­en­tie­rten Vor­trä­gen und in­ten­si­ven Dis­kus­sionen. Es er­war­ten Sie Lö­sungs­an­sätze für Pla­nung und Aus­führung sowie ein Au­sblick auf neue Ent­wick­lun­gen. Tref­fen Sie Ihre Fach­kol­legen und kom­men Sie mit­ein­an­der ins Ge­spräch.
Jetzt teilnehmen!

 
TNGruppeDiskussionamPlan_3.jpg

Berufsbegleitende Fachfortbildung
Er­wei­tern Sie Ihre Fach­ken­ntnis­se für eine Tä­tig­keit als Fach­planer, Sach­ver­stän­di­ger oder Fach­bau­lei­ter im Brand­schutz. EIPOS bie­tet bun­des­weit Wei­ter­bil­dun­gen im vor­beu­gen­den, ge­bäu­de­tech­ni­schen und aus­führ­en­den Brand­schutz und einen Ma­ster­stu­dien­gang.
Überblick EIPOS-Qualifizierungen im Brandschutz

 
EIPOS-Laptop_Online.jpg

Seminare – Präsenz & Online 
Ver­tie­fen Sie ge­zielt Ihr Brand­schutz­fach­wis­sen – in ganz­tä­gi­gen Se­mi­na­ren oder zwi­schen­durch in ein- bis zwei­stün­di­gen Se­mi­nar­ein­hei­ten zu Spe­zial­the­men. Sie haben die Wahl:  vor Ort an ei­nem un­se­rer bu­ndes­wei­ten Ver­an­stal­tungs­orte oder on­line von Ihrem Büro aus.
Seminare zum Wissens-Update

 

WSP nutzt innovative 3D-Modellierung, um den Entwurf des symbolträchtigsten Wolkenkratzers von London zu optimieren

Die RAM-Software von Bentley Systems bietet innovative Lösungen zur Tragwerksplanung für die einzigartige Geometrie des Turms One Blackfriars

One Blackfriars ist ein Mehrzweckgebäude in London, das 274 Appartements und ein mehrstöckiges Penthouse umfasst. WSP nutzte RAM Concept, um die Bodenplatten für dieses geometrisch komplexe Gebäude zu entwerfen. Mithilfe von MicroStation nutze das Designteam 3D-Modelle gemeinsam und erstellte Entwurfszeichnungen automatisch, was die Zusammenarbeit erleichterte.

Mehr Informationen auf www.bentley.com

Ähnliche Beiträge

Anzeige

PROJEKT PRO – einfach arbeiten!

ERW_20211001_Hauptbild_DIB_Advertorial_320px_breit.jpg
20211001_Detailbild_1_DIB_Advertorial_180x180px.jpg

5 Don'ts der Digitalisierung und wie Sie diese vermeiden
Viele Un­ter­neh­men stehen aktuell vor der Ent­schei­dung, wie ihre Stra­te­gie für die di­gi­ta­le Zu­kunft aus­sehen soll. Wir haben Ihnen fünf große Don’ts der Di­gi­ta­li­sie­rung zu­sam­men­ge­fasst, die auch für die Bau­branche gel­ten und ge­ben Ihnen Tipps, wie Sie es bes­ser machen.

 
20211001_Detailbild_2_DIB_Advertorial_180x180px.jpg

Qualitätsmanagement im Bauwesen birgt viele Vorteile
Mit einem guten Qua­li­täts­ma­na­ge­ment kön­nen Sie Ihre Auf­trags­chan­cen stei­gern und gleich­zei­tig durch opti­mier­ten Res­sour­cen-Ein­satz Ihre Kos­ten re­du­zieren. Was macht opti­mal­es Qua­li­täts­man­age­ment aus und wel­che Hilfs­mit­tel un­ter­stüt­zen Sie bei der Ziel­er­reich­ung?

 
20211001_Detailbild_3_DIB_Advertorial_180x180px.jpg

Controlling und Management für bessere Workflows
PROJEKT PRO un­ter­stützt Pla­nungs­bü­ros mit spe­ziell ent­wick­el­ter Con­trol­ling- und Man­age­ment-Soft­ware. PROJEKT PRO hat auch für Sie das rich­ti­ge Pro­dukt, um Ihre Work­flows zu ver­bes­sern und die Ef­fi­zienz Ihres Un­ter­neh­mens zu stei­gern. Jetzt ken­nen­ler­nen.