Es ist wichtig, sich auch ehrenamtlich einzusetzen!

Der Vorstand der Bundesingenieurkammer

Deutsches Ingenieurblatt 3/2022
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Im Oktober 2020 hat die Bundesingenieurkammer-Versammlung einen neuen Vorstand für vier Jahre gewählt. Eines der erklärten Ziele der sieben Vorstandsmitglieder ist, eine größere Sichtbarkeit für den Berufsstand zu bewirken und insbesondere bei jungen Menschen Begeisterung für diesen kreativen und abwechslungsreichen Beruf zu schüren. In kurzen Portraits erzählen in dieser Ausgabe Wilhelmina Katzschmann, Christoph F.-J. Schröder und Prof. Dr. Helmut Schmeitzner von ihren Plänen für diese Amtsperiode, warum sie sich in dieser Form für ihre Kolleginnen und Kollegen engagieren – und was sie motiviert hat, Ingenieurin oder Ingenieur zu werden. Stichwortgeberin war Alexandra Jakob, verantwortlich für Kommunikation und Presse in der Bundesingenieurkammer.

 

Wilhelmina Katzschmann hat an der Hochschule Mannheim studiert, ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Technischen Gebäudeausrüstung. 

Zum Beruf der Ingenieurin kam ich, schon als kleines Kind eine große Begeisterung für Mathematik, Physik und Chemie verspürte. So war relativ früh klar, was ich nicht wollte – nämlich Medizin, Volkswirtschaft oder Jura. Als ich dann während eines Betriebspraktikums bei BBC landete, lief ich dort in der 2. Woche einer Ingenieurin über den Weg, die mich an die Hand nahm und durch alle Werkstätten und Labore führte. Danach war klar: Ich werde Elektroingenieur.  

Im Vorstand der Bundesingenieurkammer engagiere ich mich, um mich für unseren Berufsstand einzusetzen. Hierbei ist mir vor allem wichtig, das Ansehen der Ingenieure in der Gesellschaft wieder zu stärken und an der Steigerung der Wertschöpfung unserer Ingenieurleistungen mitzuarbeiten. 

In den kommenden Jahren im BIngK-Vorstand möchte ich mich in der Öffentlichkeitsarbeit, bei der Digitalisierung und bei energiepolitischen Themen einbringen. Insbesondere unter den Gesichtspunkten, dass wir Ingenieure maßgeblich die Zukunft gestalten, die partnerschaftliche Zusammenarbeit am Bau aus meiner Sicht einen immer größeren Stellenwert bekommen wird und Ingenieure hierbei eine wesentliche Rolle spielen. Und dass die derzeit von der Politik angestrebten Klimarettungsziele nur durch Digitalisierung und neue Wege in der Energietechnik zu erreichen sind, die von der Ingenieurgemeinschaft entwickelt werden. 

Wenn ich nicht für die Bundesingenieurkammer tätig bin, arbeite ich im Ingenieurbüro, mit Praktikanten und Studenten sowie für die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz. Bleibt darüber hinaus noch Zeit, bin ich mit dem Segelboot auf hoher See. 

Die größten gesellschaftlichen Herausforderungen bei der Zukunft des Planens und Bauens liegen aus meiner Sicht in der Digitalisierung der Arbeitsmethoden. Diese erfordert große Anstrengungen. Aber die Veränderung ist dringend notwendig, um in der Baubranche wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir brauchen die Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten: der Auftraggeber, der Unternehmen und der Mitarbeiter. Die Bundesingenieurkammer hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Transformation gewissenhaft zu begleiten, insbesondere durch die Unterstützung der kleinen Büros.  

Die Welt von morgen werden Ingenieurinnen und Ingenieure maßgeblich mitgestalten, indem sie mit ihrem Wissen und Können „die Anforderungen an die Welt von morgen“ beeinflussen. Diese sind u. a. der stetig wachsende Energiebedarf, die Verminderung energiebedingter CO2-Emissionen, die Rohstoffverknappung, die Nachhaltigkeit, verbunden mit dem Bedürfnis, dennoch ein „gutes, gesundes Leben“ zu haben. Ingenieure arbeiten stets an wissenschaftlichen und praxisnahen Lösungen in diesen Bereichen. Man darf sie nur nicht durch zu viele Verordnungen, Normen und Richtlinien einengen. Dies sollten lediglich „Zielvorgaben“ sein.  

Die Arbeit von Ingenieurinnen und Ingenieuren in zwanzig Jahren wird ein Zusammenspiel von Menschen und „Maschinen“ sein. Die Grenzen zwischen physischem Produkt und Dienstleistungen werden verschwimmen. IT und die Ingenieurdisziplinen (Bau, Elektrotechnik und Maschinenbau) wachsen zusammen. Das Arbeitsmodell wird ein interdisziplinäres Team sein und die KI wird dabei helfen, aus den gemeinsamen Informationen Wissen zu extrahieren. Meine Vision hierzu: Ingenieure sind die Technologieführer für eine menschliche Gestaltung der gebauten Lebensräume. 

Meine Empfehlung an alle Nachwuchskräfte lautet: Der Ingenieur der Zukunft muss „smarter“ als die Maschine sein. Spezialisierung ist nötig, aber nicht die alleinige Lösung. Da sich die Industrie in rasanter Weise weiterentwickelt und somit auch mit ständig neuen Produkten den Markt bedient, muss der Ingenieur im Bereich „Planen und Bauen“ offen für lebenslanges Lernen sein. Darüber hinaus erfordert der Beruf Mut, eingeschlagene Wege auch mal zu verlassen und den Aufbruch zu Neuem zu wagen. 

Mir ist außerdem wichtig, dass wir Ingenieure an die Öffentlichkeit gehen und unsere Produkte und Leistungen offensiver „vermarkten“. Tun wir das nicht, bleiben wir ungehört und überlassen die Gestaltung der Zukunft anderen. Daher sollten wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass unsere wichtige Arbeit auch als solche wahrgenommen wird!  

Christoph F.-J. Schröder befindet sich mittlerweile im Ruhestand (Leitender Baudirektor a. D.). Zuletzt war er als Abteilungsleiter für alle Themen der Verkehrsinfrastruktur im  Amt für Verkehr und Straßenwesen in Hamburg verantwortlich. Studiert hat Christoph Schröder an der RWTH Aachen, danach schloss sich eine kurze Zeit bei einer Baufirma an, anschließend ein Referendariat im Stadtbauwesen in Düsseldorf. 

Zum Beruf des Ingenieurs kam ich, weil mich in meiner Jugend die vielen Talsperren in meiner Heimat inspiriert hatten. Schließlich prägten Siedlungswasserwirtschaft, Stadtbauwesen sowie Straßenwesen und Tunnelbau meine Vertiefungen im Studium und mein späteres Berufsleben. Und diese Kombination erwies sich als außerordentlich wertvoll für die Arbeit als Bauingenieur in Städten. 

Meine Arbeit im Vorstand der Bundesingenieurkammer ist mir wichtig, da ich den Eindruck habe, die Leistungen unseres Berufsstands werden in der Gesellschaft nicht wirklich wahrgenommen. Dieses zu beeinflussen und für Nachwuchs zu werben sehe ich für mich als treibende Motivation. 

Ich möchte in den kommenden Jahren im BIngK-Vorstand dazu beitragen, unsere Leistungen als Ingenieurinnen und Ingenieure positiv in der Gesellschaft bekannter zu machen. Weiterhin halte ich es für wichtig, den angestrebten Schutz unseres Klimas durch konkretes Handeln zu fördern.  

Wenn ich mich nicht für die Bundesingenieurkammer engagiere, wirke ich als Vorstandsmitglied der Hamburgischen Ingenieurkammer-Bau u. a. bei der Nachwuchsförderung mit. Im Verkehrsausschuss des ADAC berate ich zu Verkehrsthemen. Für die ASIIN-Akkreditierungsagentur arbeite ich als Gutachter bei Studiengängen des Bau-, Umwelt- und Verkehrsingenieurwesens. Außerdem bin ich als Stadtrundgangsführer in Hamburg ausgebildet und zeige Einheimischen und Gästen unsere schöne Stadt. Gerne unternehme ich längere Radtouren, zuletzt von München nach Venedig.  

Die größte gesellschaftliche Herausforderung der Zukunft wird aus meiner Sicht sein, die nach uns kommenden Generationen im Blick zu behalten und Ressourcenschonung sowie Nachhaltigkeit bei der Arbeit zu verfolgen. Ohne konkrete Veränderungen bei Baustoffen und Planungsideen werden wir die gesetzten Ziele zum Schutz des Klimas und der natürlichen Gegebenheiten nicht erreichen. 

Die Welt von morgen können Ingenieurinnen und Ingenieure mitgestalten, indem sie sich als Sachwalter der Gesellschaft sehen. Sie tragen maßgeblich zur Veränderung unserer Umwelt bei. Hierbei eine Zukunft im Blick zu haben, die nachfolgenden Generationen alle Möglichkeiten eines zufriedenen Lebens ermöglicht, stellt eine große Verantwortung dar. 

In zwanzig Jahren wird die Arbeit von Ingenieurinnen und Ingenieuren mehr denn je herausfordernd. Wir sind in allen Bereichen des Bauens mit unserer Expertise gefragt. Wir setzen diese zum Wohl der Menschen und dem Schutz der natürlichen Gegebenheiten ein. Unsere Kreativität bietet Lösungen, die den cradle-to-cradle- Gedanken fast vollständig beim Planen und Bauen beinhalten. 

Meine Empfehlung an alle Nachwuchskräfte lautet: Bleibt vielseitig interessiert und verfolgt auch unkonventionelle Wege. 

Prof. Dr.-Ing. Helmut Schmeitzner studierte von 1980 bis 1986 Bauingenieurwesen an der TU Berlin, war in den 90er-Jahren in der Bauindustrie tätig, ist seit 1998 Hochschullehrer und leitet den Studiengang Bauingenieurwesen an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. 

Den Beruf des Ingenieurs habe ich ergriffen, weil ich, wie viele Mitglieder unseres Berufsstands, familiär vorbelastet bin: Schon mein Urgroßvater war Wasserbauingenieur und hat mit seiner Berufswahl gewissermaßen eine Familientradition begründet. 

Im Vorstand der Bundesingenieurkammer engagiere ich mich, weil ich es für wichtig halte, sich auch ehrenamtlich für die Belange unseres Berufsstands einzusetzen. In den kommenden Jahren im BIngK-Vorstand möchte ich mich um Fragen der Ingenieurausbildung kümmern und dazu beitragen, den Kontakt zwischen den Kammern und den Hochschulen zu intensivieren. 

Wenn ich nicht für die Bundesingenieurkammer tätig bin, gehe ich in erster Linie meinen Verpflichtungen als Hochschullehrer nach. Das umfasst vor allem meine Lehrveranstaltungen in der Technischen Mechanik und der Baustatik und die Betreuung der Studierenden bei ihren Projekt- und Abschlussarbeiten. Es gibt aber auch noch ein Leben jenseits der Bundesingenieurkammer und der Hochschule: Dann bin ich leidenschaftlicher Chorsänger. 

Die größten gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft sind aus meiner Sicht die Wahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die Wahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Beides nach Möglichkeit ohne den Verlust von Freiheit und Lebensqualität. 

Die Welt von morgen gestalten Ingenieurinnen und Ingenieure maßgeblich, indem sie ihren Ingenieurverstand dafür einsetzen, aus Visionen Realität werden zu lassen. Es sind stets Ingenieure, die die Lücke zwischen der Grundlagenforschung und der breiten Anwendung ihrer Ergebnisse schließen. Allein schon in den Bereichen Energieversorgung, Mobilität und bauliche Infrastruktur ist da noch jede Menge zu tun.  

Ich denke, dass die Arbeit von Ingenieurinnen und Ingenieuren in zwanzig Jahren mit Sicherheit immer noch genauso wichtig, anspruchsvoll und herausfordernd ist wie heute, auch wenn sich unser Arbeitsumfeld, unsere Werkzeuge und vielleicht auch unsere Arbeitsfelder wandeln mögen. Wahrscheinlich wird die Arbeit im Team noch wichtiger werden, als sie es heute schon ist. 

Meine Empfehlung an alle Nachwuchskräfte lautet:

  • Sorgen Sie dafür, sich ein breit angelegtes Grundwissen anzueignen! Die Spezialisierung kommt noch früh genug.
  • Scheuen Sie sich nicht, pingelig zu sein! Gründlichkeit im Denken und Konsequenz im Handeln sind wichtige Erfolgsfaktoren für Ingenieure – vielleicht die wichtigsten.
  • Üben Sie sich darin, Ihre Ergebnisse in inhaltlich und formal überzeugender Gestalt darzustellen – diese Fähigkeit gehört zur gesellschaftlichen Verantwortung unseres Berufs!

Was mir noch wichtig ist: Wir Ingenieure sind es gewohnt, faktenbasiert zur arbeiten. In einer Gesellschaft, deren Diskurse zunehmend von Moralisierung und Emotionalisierung geprägt sind, können wir einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung von Diskussionen leisten – wir sollten es tun.  

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