Leichtbeton für die Einkaufscenterdecke

Kleines Gewicht, große Wirkung

Deutsches Ingenieurblatt 06/2020
Objekte

Wenn es um die Umnutzung und Erweiterung gerade größerer Bestandsbauten geht, erfordert deren anspruchsvolle Statik oft besonders leichte und stabile Konstruktionen. Beim Landsberger Lechland Center wurde eine ehemalige Fahrtreppenöffnung mit einer Leichtbeton-Stahlverbunddecke verschlossen.

Stützen entfernen, Tragweiten erhöhen und mehr Raum und Volumen schaffen – das sind meist die zentralen Bauziele, wenn es um die Erweiterung und Umnutzung größerer Gebäudekomplexe geht. Die vorliegende Statik ist jedoch in den wenigsten Fällen dafür ausgelegt.
Vielmehr erfordert sie besonders leichte Konstruktionen und Einbauten, die natürlich auch stabil und sicher sein müssen. Leichtbeton erfüllt die Anforderungen. Denn der Baustoff erreicht gute Werte hinsichtlich Festigkeit, Dichte, Dauerhaftigkeit und Wärmedämmung. Vor allem aber ermöglicht sein geringes Gewicht auch die Planung und Realisierung schlanker, wirtschaftlich dimensionierter und dennoch tragender Bauteile. So können entsprechende Leichtbeton-Aufbauten beispielsweise gegenüber massiven Normbetondecken durchaus entscheidende Gewichtseinsparungen von rund 0,1 Tonnen pro Quadratmeter erzielen.
Das geringe Gewicht und die Festigkeit von Liapor-Leichtbeton spielten auch bei der Modernisierung des Lechland Centers in Landsberg am Lech eine entscheidende Rolle. Hier ging es darum, den 1986 erbauten und 1999 erweiterten Komplex mit einem Ersatzneubau auf der Nordostseite zu erweitern, gleichzeitig aber auch das komplexe Bestandsgebäude räumlich zu öffnen und in eine weitläufige, moderne Shopping-Mall umzuwandeln. Die Baumaßnahmen erfolgten zwischen 2016 und 2018 unter der Leitung der Kölner CMde Centermanager und Immobilien GmbH. Als Generalunternehmer fungierte die Kaufhold Bau München GmbH in Emmering.
Um das Bestandsgebäude räumlich aufzuweiten, wurden etliche Stahlbetonstützen im Inneren entfernt und aussteifende Bauteile verändert. Auch wurden ein Aufzug, Rolltreppen und Laufbänder neu eingebaut. Die alte, zentrale Rolltreppe im Eingangsbereich wurde rückgebaut.
Zurück blieb eine rund neun mal zehn Meter große Öffnung in der auf Unterzügen gelagerten Spannbetondecke, die natürlich verschlossen werden musste. Was sich einfach anhört, gestaltete sich in der Praxis aufgrund der statischen Gegebenheiten jedoch als sehr komplex: „Die bestehenden Unterzüge waren bereits an ihrer Belastungsgrenze und auch die Spannweiten waren sehr groß“, erklärt Markus Anders, Geschäftsführer der aki GmbH in Weidenberg, die mit der Tragwerksplanung des gesamten Projekts beauftragt war. „Eine Verfüllung mit herkömmlichem Beton schied daher aus Gewichtsgründen aus. Stattdessen wurde eine Holorib-Leichtbeton-Stahlverbunddecke als Deckenverschluss ausgebildet.“
Im Detail besteht die neue Decke von unten nach oben aus den Stahlträgern mit Kopfbolzen dübeln, die auf den Unterzügen montiert wurden, und den Profilblechen, welche als Schalung dienen. Darüber folgt eine 16 Zentimeter starke bewehrte Schicht aus Leichtbeton als Tragschicht. Den oberen Abschluss bilden Betonestrich und ein geringmächtiger Fliesenbelag.
Die gewählte Deckenausführung mit Leichtbeton und den Verbundprofilen stellt, insbesondere bei den großen Spannweiten, einen leichteren und wirtschaftlichen Aufbau dar. Pro Quadratmeter ließen sich hier damit schätzungsweise knapp 100 Kilogramm Gewicht einsparen. Die Leichtbeton-Verbunddecke war so auch von der Objektplanung gefordert, da sie beispielsweise den einfachen Einbau einer Unterdecke ermöglicht und auch den Brandschutzanforderungen genügt.
Im März 2018 erfolgte der Einbau der insgesamt 15 Kubikmeter Leichtbeton. Das Besondere dabei: Aufgrund der beengten Raumsituation im Bestandsgebäude musste der Leichtbeton vom Fahrmischer über dessen Förderband von außen in den ersten Stock verbracht werden. Dort wurde er mithilfe von Schubkarren zum Deckenloch transportiert, auf den Verbundprofilen verteilt und abgezogen.
Das Ergebnis ist eine statisch einwandfreie Lösung, die nicht nur durch ihr geringes Gewicht überzeugt, sondern sich auch schnell und sicher umsetzen ließ. Sie zeigt, wie sich mit Leichtbeton auch komplexe Bestandsbauten aus den 80er- und 90er-Jahren hinsichtlich ihrer baulichen Struktur an die Bedürfnisse von heute und morgen erfolgreich anpassen und weiterentwickeln lassen. Nach Abschluss aller übrigen Arbeiten erfolgte Ende 2018 die feierliche Eröffnung des knapp 10.000 Quadratmeter großen Lechland Centers.

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