BIM als Selbstverständlichkeit

Effizienteres Arbeiten mit 3D-Gebäudedatenmodellen

bauplaner Ingenieurbüro
Ingenieurbüro

Das Thema Building Information Modeling beinhaltet viel mehr als die Darstellung im 3D-Modell. BIM dient der Erfassung, der Verwaltung und dem Austausch von allen über den Lebenszyklus eines Bauwerks relevanten Daten und Informationen. BIM wirft auch viele Fragen auf, und der Beginn erscheint manchen wie ein Buch mit sieben Siegeln. Die Firma Hinterschwepfinger Projekt startete vor drei Jahren mit viel Engagement und Manpower in diese Herausforderung.

Seit dem Frühjahr 2020 ist Hinterschwepfinger Projekt im oberbayerischen Burghausen ansässig, denn durch das Wachstum auf mehr als 100 Mitarbeiter war der ursprüngliche Firmensitz des Unternehmens im nur wenige Kilometer entfernten Mehring aus allen Nähten geplatzt. Das Familienunternehmen entwickelte sich über die letzten sechs Jahrzehnte zu einem Komplettanbieter für den Industrie- und Gewerbebau. Das Leistungsportfolio reicht von der Standort- und Fabrikplanung über die gewerkeübergreifende Generalplanung, Architektur und Statik bis zum schlüsselfertigen Komplettbau. Die Bauherren sind meist private mittelständische Unternehmen.
Ende 2017 stellten sich die Geschäftsführer Josef Hinterschwepfinger und Christian Hallweger die Frage: „Wie können wir aus einem sorgfältig erstellten 3D-Modell Massen herausziehen? Und wie können wir unsere Arbeitszeit effizienter einsetzen?“ Mit dieser Frage wurde Niclas Schwinke, Projektleiter Architektur und mittlerweile BIM-Verantwortlicher, konfrontiert. Gleichzeitig wurde ihm das nötige Zeitfenster dafür eingeräumt. Auf mehr als zwei Jahre Arbeit zurückblickend war es für ihn enorm wichtig, dass die Entscheidung, sich mit BIM-Prozessen zu beschäftigen, von der Geschäftsführung kam, gefördert und mitgetragen wurde. Im gesamten Unternehmen herrschte von Beginn an eine hohe Motivation für das Thema. Seine erste Aufgabe bestand darin, für Architekturmodelle, die bis zu diesem Zeitpunkt mit nur wenigen internen Standards gezeichnet wurden, eine einheitliche Planungsgrundlage herzustellen. Die Abhängigkeiten, die zum Beispiel bei der Benennung und der Planung von Elementen aus der HKLSE-Abteilung entstehen, konnte den Planern so verdeutlicht werden.

Orca AVA unterstützt

Für die Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung haben die Hinterschwepfinger-Unternehmen die Orca Software bereits seit vielen Jahren im Einsatz. Seit 2008 nutzen sie „Orca AVA“, die seit 2014 mit der IFC-Schnittstelle zu CAD-Software prädestiniert für den Austausch von Gebäudedaten ist. Teamleiter Thomas Meuer aus der HKLS-Abteilung ist überzeugt von der intuitiven Anwendung, die es ihm ermöglicht, neue Mitarbeiter schnell mit der Software arbeiten zu lassen. „Obwohl wir aufgrund der Schnelligkeit der Produktänderungen im Sanitärbereich noch kein Muster-LV erstellen können, arbeiten wir mit dem Programm effizient.“
Die Möglichkeit aus der CAD-Software per IFC-Schnittstelle ein 3D-Gebäudedatenmodell zu übernehmen, sei ein weiterer Pluspunkt für die Orca AVA. Das Modell kann gedreht, gekippt und gezoomt werden, verschiedene und vor allem personalisierte Ansichten sind möglich. Für den optimalen Überblick können IFC-Elemente und Etagen ein- und ausgeblendet werden. Seine Abteilung behält das für ihre Arbeit Wesentliche im Fokus. „Vor allem gefällt uns die Nachvollziehbarkeit der bereits gezogenen Mengen auf der Mengenkarte im Leistungsverzeichnis. Das kleine IFC-Icon symbolisiert den Bezug zur IFC-Datei – per Mausklick wird mir exakt die übernommene Größe im IFC-Modell ausgewählt und angezeigt. Das ist echt praktisch!“

Und was sind die nächsten Schritte?

An diese Leichtigkeit des Arbeitens möchten die Fachbereiche von Hinterschwepfinger in Zukunft noch stärker anknüpfen. Das Ziel ist, dem Bauherren ein komplettes 3D-Gebäudedatenmodell zu übergeben, in dem sich der ganze Prozess der Planung widerspiegelt. Wenn alle Daten bereits einmal erfasst wurden, mache es aus Sicht des Servicegedanken doch Sinn, so Projektleiter Schwinke, dieses dem Auftraggeber zur Verfügung zu stellen. „Dieser könnte es unter anderem für das Facility Management nutzen. Die Wartung von Brandschutzklappen zum Beispiel wäre dann keine mühevolle Detailarbeit, sondern eine Aufgabe, die auf Knopfdruck passieren könnte und immer für die nötige Gebäudesicherheit sorgen würde.“ Auch hier ist die Übernahme relevanter Daten für das Facility Management über den offenen BIM-Standard der IFC-Schnittstelle möglich. Reichert man im Anschluss das Modell mit noch nötigen Daten für den Betriebs- und Wartungsmodus eines Gebäudes an, ist der Lebenszyklus eines Projektes am BIM-Modell realisierbar.
Das Unternehmen investiert dabei weiter in die Zukunft und beschäftigt einen Ingenieur im dualen Masterstudium mit dem Studienschwerpunkt „Digitales Bauen“. „Derzeit analysiere ich im Segment der Kalkulation die aktuellen Prozesse, eingesetzte digitale Werkzeuge und die verschiedenen Austauschformate“, erläutert Alexander Koch. Ein gesamtes digitales Modell besteht aus unterschiedlichsten Fachmodellen der einzelnen Abteilungen, die mit ihren Softwares IFC-Dateien übergeben können.
Ein Teilerfolg für ihn wäre, wenn er ein weiteres digitales Instrument zur Qualitätssicherung ermitteln könnte, das dem Gesamtmodell vorgeschaltet wäre und somit eine bessere Planungs- und später dann Ausführungsqualität erreichen lassen würde. Bei der Orca AVA erledigt diese Aufgabe bereits das IFC-Diagnosetool. Es listet Auffälligkeiten auf, die bei der Übernahme von der CAD-Software in die AVA-Software entstanden sind, und schlägt dem Anwender eine Liste zur Bearbeitung und Freigabe vor. Die gute Kommunikation zwischen Orca AVA und der bei Hinterschwepfinger eingesetzten CAD-Software wird geschätzt, denn sie wird generell zwischen allen Abteilungen als Erfolgsgarant gesehen, BIM und der motivierte Einsatz eines jeden Mitarbeiters sind elementare Bausteine dieser Kommunikation.

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