Durchdachte Planung für ein neues Raumgefühl

Gutes Klima in den Büros

bauplaner 11/2021
Hochbau
Objekte
Energie, Klima und Dämmung
Sanierungen im laufenden Betrieb sind anspruchsvoll und aufwendig, vor allem wenn sie im eigenen Haus stattfinden. Das Unternehmen Obermeyer hat mit seinen über 60 Jahren Erfahrung als eine der größten unabhängigen Planungsgesellschaften in Deutschland die nötigen Voraussetzungen, ein solches Projekt umzusetzen. Für die Luft- und Klimatechnik in den neuen Büroräumen kamen Sonderlösungen zum Einsatz.

Das 1958 von Bauingenieur Dr. Leonhard Obermeyer gegründete Unternehmen deckt alle Bereiche der Bauplanung ab. Über 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt die Firma in zahlreichen Niederlassungen und Beteiligungen im In- und Ausland. Bis heute befindet sich die Firmenzentrale in München. Der 2011 verstorbene Firmengründer erbaute 1973 das Bürogebäude mit insgesamt 12.000 Quadratmetern Geschossfläche verteilt auf sechs Vollgeschosse und zwei Untergeschosse. Damals entschied man sich für eine ringförmige Anordnung eines Großraums um einen zentralen Kern. So entstanden pro Geschoss zwei gegliederte Raumbereiche von ca. 800 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Die Ortbetonskelettkonstruktion wird durch Rundstützen und den innen liegenden Kern getragen.

Wie so häufig musste der Brandschutz den heutigen Anforderungen angepasst werden. Diese verknüpfte man in sinnvoller Weise mit weiterem Renovierungsbedarf. Es bot sich außerdem an, die neuen Büroflächen für den digitalen Wandel in der Bauwirtschaft zu ertüchtigen. Das Team am Hauptsitz musste jedoch weiterhin der Planungsarbeit nachgehen, daher erfolgte die Sanierung im laufenden Betrieb in zwei Bauabschnitten. Simon Mündler, betreuender Architekt bei Obermeyer, erklärt: „Die wichtigste Anforderung war ein rücksichtsvoller und angemessener Umgang mit dem Bauwerk, sodass die Seele und der Charakter des Gebäudes als Erbe von Dr. Leonhard Obermeyer erhalten bleiben.“
Eine Herausforderung war die Sanierung der als Kassettendecke konzipierten Geschossdecken. Zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes im Jahr 1973 wählte man im Bestandsgebäude ein Lichtbandsystem mit eingebauten Leuchten, die konzentrisch um beide Kerne laufen. Langfeldleuchten wurden asymmetrisch in der Kassette angeordnet, das Restfeld als Akustikdecke in Form textiler Spannstoffelemente ausgeführt. Die Leuchten waren zudem integraler Bestandteil des Lüftungssystems. Genau diese spezielle Ausbildung der Geschossdecken erforderte nun eine Sonderlösung bei der Sanierung.

Akustik, Licht, Kühlung und Lüftung
Aus gestalterischer Sicht wollten die Planenden ein einheitliches Deckenbild mit unsichtbarer Technik. Kühlung und Lüftung sollten versteckt in der Decke untergebracht sein und nicht wie die brandschutztechnisch äußerst bedenkliche Zuführung der Frischluft entlang der vollverglasten Fassade. Die Klima- und Lüftungsspezialisten vom Stuttgarter Unternehmen Kiefer Klimatechnik hatten mit dem Akustiksegelsystem „Indusail“ das für die Sanierung passende Produkt. Oliver Gössler, Vertriebsingenieur bei Kiefer Klimatechnik: „Das Indusail System vereint die Aspekte Akustik, Licht, Kühlung sowie Lüftung und bietet zusätzlich maximale Flexibilität bei der Konzeption von Bürolandschaften.“ Im Vergleich zu einer herkömmlichen Kühldecke oder Umluftkühleinheiten an der Fassade überzeugte das Kiefer System die Bauherren technisch und optisch. Die Integration in die jeweiligen Deckenfelder und eine Reduktion der Kühlwasserleitungen sprachen ebenfalls dafür. Zudem lassen sich Störfaktoren wie Lärm im Raum durch das Akustiksegel reduzieren – im Großraumbüro ein wichtiges Kriterium. Die einheitliche Optik der Decke mit integrierter Beleuchtung und versteckter Kühl- und Lüftungstechnik sorgt ebenfalls für eine angenehme Atmosphäre im Raum.

Durch die gemeinsame Planung konnte eine Sonderlösung für das Projekt realisiert werden: Quadratische statt rechteckiger Abmessungen führten dazu, dass die Akustikmatten in der Größe 1.550 x 1.550 mm vom Hersteller sonderangefertigt wurden. Auch beim umlaufenden Profil sollten aus optischen Gründen 70 mm statt der üblichen 50 mm realisiert werden. Oliver Gössler berichtet weiter: „Wir benötigten daher zusätzlich ein Sonderbefestigungssystem, das auf die vorhandene Deckenkonstruktion abgestimmt sein musste und eine gute Zugänglichkeit der Technikkomponenten sicherstellt.“ Damit die Lüftung unabhängig von der Kühlung betrieben werden kann, kamen auf der großen Deckenfläche verschiedene Module des Indusail Systems in Kombination zum Einsatz: Mit dem Akustiksegel „Plus“ erfolgt die Kühlung der Raumluft, das Akustiksegel „Air“ dient für die Frischluftzufuhr. Dazwischen sorgt das Akustikpaneel „Silent“ als erweitertes Gestaltungselement ebenfalls für Schallabsorption und Lichtreflexion. Für insgesamt 10.000 Quadratmeter Deckenfläche fertigte Kiefer ein multifunktionales System, das mittels Sensoren für ein durchgängig angenehmes Raumklima sorgt. Die Zuluft richtet sich nach einem CO2-Wert und ist abhängig von der Anzahl an Personen im Raum. Das Einbringen der Luft erfolgt über hoch induktive Schlitzauslässe. Durch die speziell entwickelte Ausblasgeometrie ergeben sich feine Einzelstrahlen, an deren Oberflächen effektiv Raumluft induziert werden kann. Die Kühlung erfolgt anhand der Raumtemperatur und der jeweils festgelegten Anforderung.

Brandschutzvorgaben erfüllt und sicher montiert
Im Foyer des Bürogebäudes galt es, besondere Brandschutzvorgaben zu erfüllen. Aus diesem Grund mussten auch die Deckensegel brandschutzertüchtigt werden. In den Regelgeschossen ist das Trägermaterial der Segel vlieskaschiert und offenporig. Die Brandschutzanforderungen erzwangen in diesem Fall den Ersatz des Akustikmaterials durch Brandschutzmaterial. Zusätzlich gab es eine projektspezifische Konstruktionsüberarbeitung, um die Leuchten in das System zu integrieren. Neben der Schallabsorption unterstützt der hohe Lichtreflexionsgrad des Indusail Systems alle wesentlichen Beleuchtungsarten. Daneben ist eine Lichteinheit als zusätzliche aktive Beleuchtung für alle Komponenten erweiterbar. Kiefer lieferte für Obermeyer die passenden LED-Leuchten steckerfertig. Auch hier wurde eine Sonderbefestigung realisiert, die eine werkzeuglose Demontage für Wartungs- oder Reparaturarbeiten ermöglicht. Über ein Klappscharnier kann das Segel geöffnet werden. Bei der Montage war es wichtig, dass die Akustiksegel nicht verschmutzt wurden. Grundsätzlich wird bei Ausführungen mit Umluftkühlgerät dieses zuerst installiert. Um die Akustiksegel vor Baustaub zu schützen, wurden sie in diesem Fall eingepackt und erst kurz vor Bezugstermin geöffnet.

BAUTAFEL
Objekt: Firmenzentrale Obermeyer, München
Bauherr: Obermeyer Objekt Hansastraße 40 GbR
Fachplaner TGA: Obermeyer & Kiefer Klimatechnik GmbH
Architekt: interne Planung Obermeyer
Zeitraum: 1. Bauabschnitt: 10/2019 bis 10/2020
Produkte: Indusail System von Kiefer Klimatechnik: Sonderanfertigungen auf Basis von Indusail Plus, Indusail Air, Indusail Silent

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