Einführung der elektronischen Bauabrechnung war Bedingung

Grundinstandsetzung eines Schiffshebewerkes

bauplaner 04/2020
Hard- und Software

Das Schiffshebewerk Lüneburg Scharnebeck wurde 1974 erbaut und bietet seit dem Frachtschiffen die Möglichkeit, eine Höhe von 38 Metern zu überwinden. Das erste Schiff wurde am 5. Dezember 1975 mit den Trögen des Schiffshebewerkes gehoben. Mittlerweile ist die damals weltgrößte Anlage etwas in die Jahre gekommen. Der Westtrog muss grundinstand gesetzt werden (Abb. 1). Neben den Erneuerungen des Betons und des Korrosionsschutzes werden u. a. 120 Seilscheiben mit einem Durchmesser von über drei Metern in 40 Metern Höhe ausgebaut, überholt, mit neuen Lagern versehen und wieder eingebaut (Abb. 2). Der Einbau von 240 armdicken Seilen steht ebenso auf dem Programm wie die Erneuerung von Elektrik und Hydraulik, Arbeiten im Rohrbau sowie die Neufertigung und Überarbeitung von Stahlteilen. Das Vorhaben, mit einem Auftragswert von über 30 Millionen Euro, läuft noch bis Ende 2020. Im April 2018 erhielt die Stahlbauabteilung der Nobiskrug Werft aus Rendsburg den Auftrag, als Teil der Arbeitsgemeinschaft Schiffshebewerk Lüneburg (ARGE) – dazu gehört die Firma Bauschutz aus Hamburg.

Elektronische Bauabrechnung –aber wie genau?

Eine Bedingung für die Erteilung des Auftrages war die Durchführung einer elektronischen Bauabrechnung. Diese Art der Abrechnung wurde bisher weder beim Auftraggeber, dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSV) Uelzen, noch bei Nobiskrug durchgeführt. Auf Seiten von Nobiskrug wurde der Schiffbauingenieur Markus Brinkmann, Abteilungsleiter Vertrieb und Projekte, mit der Einführung der elektronischen Bauabrechnung betraut. Er startete mit einer genauen Markterkundung, um eine passende Software zu finden. Eine wichtige Anforderung war die Ortsunabhängigkeit und die Möglichkeit live im Netz zu arbeiten. Denn: Die Aufmaße werden vor Ort in Scharnebeck erfasst, in den Büros in Hamburg und Rendsburg eingegeben und am Ende wird die Prüfdatei und die Abrechnung bei Nobiskrug erstellt – unter Berücksichtigung der Leistungsanteile der ARGE-Partner. „Ich hatte große Bedenken, eine fest installierte Software an drei Standorten einzusetzen, diese auf dem gleichen Versionsstand zu halten und dann noch Dateien auszutauschen und dabei nicht die Übersicht zu verlieren“, beschreibt Brinkmann seine Überlegungen. „Dann entdeckte ich NOVA AVA und war sofort von der Möglichkeit begeistert, alles online zu bearbeiten.“
Die erste Kontaktaufnahme war unkompliziert, ein Testaccount wurde eingerichtet. „Natürlich gab es schon beim Ausprobieren viele Fragen, die stets sofort per Mail oder Telefon beantwortet wurden“, lobt Brinkmann den Support. Nach einer dreiwöchigen Testphase fiel die Entscheidung, nicht zuletzt deshalb, weil NOVA AVA Software-as-a-Service ist, mit flexiblen Paketangeboten. Sollte nach Ablauf des Projektes vorerst kein Bedarf mehr bestehen, laufen die Lizenzen einfach aus. „Davon geht hier aber keiner aus – das ist das Tool der Zukunft“, so der Ingenieur.

Vereinfachte Prozesse und mehr Transparenz

Im Mai 2018 begannen die Baumaßnahmen am Schiffshebewerk und bereits Ende des Monats kamen die ersten Leistungen zur Abrechnung (Abb. 3). Ganz klassisch wurden auf der Baustelle Aufmaßblätter erstellt und von der Bauleitung sowie dem Auftraggeber unterzeichnet. Da bis Ende 2020 mit ca. 20.000 Aufmaßblättern zu rechnen sein wird, schlug Brinkmann dem Auftraggeber vor, diese elektronisch zu verwalten. Die freigegebenen Aufmaßblätter werden seitdem auf einem Server des Bundes bereitgestellt und können von den Auftragnehmern heruntergeladen werden (Abb. 4). Vor Eingabe der Leistungen waren jedoch noch einige Vorarbeiten in NOVA AVA notwendig. Um die einzelnen Leistungspositionen eindeutig den ARGE-Partnern zuweisen zu können, wurde im Modul „LV-Erstellung“ ein Katalog angelegt. Die Zuweisung, welcher Partner welche Arbeit übernimmt, konnte dann für alle Positionen über den Katalog vorgenommen werden – in einem Schritt und zum Glück nur einmal. Zur Erfassung der Leistungen wurden im Modul „Leistung/Aufmaß“ zwei Erfassungsblätter angelegt, um die Daten der Partner Nobiskrug und Bauschutz ganz einfach auseinanderhalten zu können.
Seit Projektbeginn haben sich bereits mehrere Nachtragsaufträge ergeben. Diese Nachtragsaufträge werden in Papierform sowie elektronisch im X86-Format erteilt und dann im Modul „Auftrag/Nachträge“ eingelesen. Sie werden damit automatisch Bestandteil des Leistungsverzeichnisses.
Die Eingabe der erbrachten Leistungen in NOVA AVA findet an den Standorten in Rendsburg und Hamburg statt. Durch das Arbeiten in der Online-Umgebung und die Verwendung der unterschiedlichen Erfassungsblätter ist ein paralleles Arbeiten problemlos möglich. Zusätzlich hilft die übersichtliche Maskenprogrammierung in NOVA AVA: Da eine Leistungsposition erst nach mehreren Aufmaßblättern komplett abgearbeitet ist, können in der Spalte „Erläuterungen“ alle zugehörigen Aufmaßblätter erfasst werden. Sogar eine direkte Speicherung des Aufmaßblattes zur LV-Position ist durch die Funktion „Anlagen“ möglich.

Abrechnung per Knopfdruck

Nach Eingabe aller Aufmaße wird eine Aufmaßdatei im Format X31 zusammen mit einer Prüfrechnung an den Auftraggeber zur Prüfung versandt. Hans-Georg Bürger, iTWO-Koordinator beim WSV Uelzen und Verantwortlicher für die Vertragsabwicklung nach REB: „Das Einlesen der Datei in unserem System iTWO gestaltet sich problemlos, die Prüfung der Aufmaßdatei erfolgt in der Regel innerhalb von zwei Tagen und endet mit der Rücksendung einer geprüften X31-Datei und einer Prüfrechnung.“ Das erspart dem Auftragnehmer zeitaufwendige Rechnungskorrekturen und ermöglicht die direkte Begleichung der Rechnung, da der Prüfprozess vorgeschaltet ist. Bei Massenkorrekturen kann die X31 auch wieder in NOVA AVA zurückgespielt werden, wodurch manuelles Korrigieren entfällt.
Übrigens ist durch die Zuordnung der einzelnen LV-Positionen auf die ARGE-Partner auch die interne Abrechnung ganz einfach. Durch die Katalogauswahl kann die jeweils eigene Leistung der ARGE in Rechnung gestellt werden.
Zum Schluss kann buchstäblich per Knopfdruck eine Abschlagsrechnung erstellt werden. Dabei ist der integrierte Druckdesigner eine große Hilfe; er ermöglicht ein Layout der Rechnung in der entsprechenden Corporate Identity.

Alles spricht für die elektronische Baubabrechnung

Markus Brinkmann wagt einen Blick in die Zukunft: „Wir haben die Hoffnung, dass in Zukunft nur noch die elektronische Bauabrechnung zur Anwendung kommt, weil sich alle damit verbundenen Prozesse übersichtlich, schlank und leicht nachvollziehbar gestalten. NOVA AVA bietet hierfür das perfekte Werkzeug.“ Obwohl in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes bei Weitem noch nicht alle Dienststellen die elektronische Bauabrechnung nutzen, hat Stahlbau Nobiskrug in Eigenregie schon das Leistungsverzeichnis des nächsten Großauftrages des WSA Kiel-Holtenau – es geht um die Instandsetzung eines Schiebetores der großen Schleuse Brunsbüttel – in NOVA AVA eingelesen, denn dieser Weg hat zu einer deutlichen Stundenersparnis geführt.

www.avanova.de

www.stahlbau-nobiskrug.com