Elektroplanung im XXL-Format

Wasserwelt Rulantica in Rust

bauplaner 03/2020
Effizientes Bauen

Einen Steinwurf vom Europa-Park entfernt befindet sich die wahrscheinlich größte Bäderlandschaft Deutschlands nebst angeschlossenem Themenhotel – ein Bauprojekt, bei dem die Anforderungen an die Elektroplanung nicht größer sein könnten. Fünf Jahre dauerte das Projekt für die Planer der Firma HF aus Karlsruhe.

Nach nur 26 Monaten Bauzeit erstrahlt das Großprojekt „Rulantica – die neue Wasserwelt des Europa-Park“ in vollem Glanz. Auf einem Areal von 450.000 Quadratmetern oder umgerechnet 63 Fußballfeldern hat die Inhaberfamilie Mack den Traum von einem zweiten Park und einer spektakulären Wassererlebniswelt im skandinavischen Stil verwirklicht. Ebenso wie das direkt nebenan liegende sechste Erlebnishotel „Krønasår“ wurde auch die Wasserwelt elektrotechnisch vom Unternehmen HF aus Karlsruhe geplant. „Für solch umfangreiche und im Detail vielschichtige Elektroplanungen gibt es kein Handbuch. Bei Projekten dieser Dimension gilt es, prozessuales Know-how mit Fachwissen und Erfahrung zu einer Einheit verschmelzen zu lassen und nah am Kunden sowie seinen Bedürfnissen zu arbeiten“, beschreibt HF-Geschäftsführer Roland Hofmann die Aufgabe.
Bei der Planung der elektrotechnischen Infrastruktur offenbarte das Projekt eine Vielzahl an Herausforderungen, die in dieser Komplexität nur äußerst selten auftreten. In dem riesigen, rund 32.600 Quadratmeter umfassenden Indoor-Schwimmbadbereich mussten das Element Wasser und Strom sowie diverse, nicht zur üblichen Ausstattung eines Schwimmbades gehörende dekorative Aspekte mit der Planung in Einklang gebracht werden. Die chlorhaltige Luft war ein weiterer zu berücksichtigender Faktor für die Elektroplaner, die seit mehr als zehn Jahren für den Europa-Park tätig sind.

Planung nach DIN nicht immer einfach

Wellnessbereiche und insbesondere Schwimmbäder mit begehbaren Wasserbecken werden in Deutschland unter anderem nach der DIN VDE 0100-702 geplant. Die Norm allein ist jedoch nicht immer hilfreich, wenn es um die Umsetzung der konkreten Planung geht. Viele Ausführungen müssen in Schwimmbädern gesondert durch einen Sachverständigen begutachtet werden. HF hat diesen katalytischen Prozess bereits in der Planungsphase installiert, sodass während der Ausführung keine Verzögerungen eintraten. In Zusammenarbeit mit dem Sachverständigen mussten DIN-Vorschriften fallorientiert interpretiert werden, denn nicht alles in dem Regelwerk ist eindeutig beschrieben.

Herausforderung Wasser

Wasser und Elektrizität passen per se nicht zusammen und bedeuten Gefahr für Leib und Leben. In Schwimmbädern sind die Besucher oftmals nass und ungeschützt, wodurch besondere Vorsicht geboten ist. Die Aufgabe der Elektroplanung besteht darin, Elektrik und Wasser möglichst weit voneinander zu verbauen und jedes Risiko zu vermeiden. Die Decke bietet sich daher als Installationsort an, schließlich ist sie weit vom Wasser entfernt. Bei Rulantica war diese Lösung nur bedingt möglich, denn ein imposantes Glasdach in 17 Meter Höhe gewährt den Besuchern ein Badeerlebnis mit hohem Tageslichtanteil. Die Lösung für diese planerische Aufgabe fand HF in der Verlegung fast aller Leitungen innerhalb der konstruktiven Bauteile. Beachtet werden musste allerdings, dass der hohe Druck des Wassers in den Becken eine deutlich höhere Armierung im Beton bedingt und hierdurch der Platz für Leerrohre begrenzt ist. Natürlich sollte die statische Planung unter den Anforderungen der Elektroplanung nicht leiden, sodass diese Aufgabe schon recht diffizil war. Kurzum: Statiker, Elektroplaner und auch die HLS-Planer mussten bei dem gigantischen Projekt kommunikative und rechnerische Höchstleistungen vollbringen, um das gewünschte Ergebnis zu realisieren.

Herausforderung durch Kulissen- und Dekorationsbau

Schon von Weitem zieht die beeindruckende Architektur der neuen Wasserwelt Rulantica die Besucher in seinen Bann und entführt die Gäste in den hohen Norden. Innerhalb der insgesamt 32.600 Quadratmeter großen muschelförmigen Halle setzt sich diese Reise unvermittelt fort. Das Interieur stellt einen einzigartigen Mix aus skandinavischen Landschaftszügen, mystischen Szenerien und fantasievollen Gestaltungen dar. Für die Elektroplanung bedeutet dies eine wesentlich höhere Planungsleistung, da neben funktionalen Belangen auch Designwünsche berücksichtigt werden müssen. Und da hoch thematisierte Bereiche auch immer Kunsthandwerk bedeuten, das nicht zu 100 Prozent vorher planbar ist, muss sich die Planung und Ausführung des Elektrohandwerks danach orientieren, die verbaute Technik unsichtbar zu machen.

Herausforderung Chlor in der Luft

Der Chlorgehalt in der Luft ist in Schwimmbädern grundsätzlich hoch. Durch die Chloride wird Korrosion verursacht, was besondere Auswirkungen auf die Elektroinstallation hat. Dies bedingt für die Planung zweierlei: Zum einen können dort, wo es sinnvoll ist, chlortaugliche Materialien ausgewählt werden, was meistens mit mehr Kosten verbunden ist. Solche Produkte werden in der Praxis auch gerne als „schwimmbadtauglich“ deklariert.
Desweiteren hat der korrosionsbedingte Verschleiß wesentliche Auswirkungen auf die Wartungsintervalle einer solchen Immobilie. So empfiehlt HF-Geschäftsführer Roland Hofmann ein Intervall von minimal zwei bis maximal drei Jahren und beziffert die Haltbarkeit mancher Bauteile auf durchschnittlich fünf Jahre. „Als ausführender Elektroplaner verfassen wir für den Betreiber unter anderem auch eine Handlungsanweisung für den Wartungszyklus und empfehlen korrespondierende Budgets für die Erneuerung“, erläutert Roland Hofmann.

Größe als Herausforderung

Die Planung eines 32.600 Quadratmeter großen Gebäudes ist eine Mammutaufgabe. Hinzu kommt, dass der hohe gestalterische Anspruch, die Vielzahl der Attraktionen, zum Beispiel Wasserrutschen, sowie die Komplexität die Notwendigkeit der Verknüpfung mit vielen anderen Fachingenieuren entstehen lassen. „Ein solches Projekt kann bei mangelnder Erfahrung schnell unübersichtlich werden“, so Hofmann. „Solch ein Projekt ist immer auch Teamwork. Gut vier Jahre haben wir mit unseren Spezialisten aus den verschiedenen Bereichen an der Planung sowie der Ausführung gearbeitet. Ausgehend vom ersten Entwurf des Architekturmodells über die Konzeptionsphase bis hin zur Ausführungsplanung sowie der jetzt vollendeten Überwachung der Ausführung hat unsere Mannschaft sukzessive alle Prozesse gesteuert.
Hierbei gehen wir pragmatisch vor und planen zuerst die wichtigsten Lebensadern des Gebäudes, bevor wir Schritt für Schritt detaillierter werden“, sagt der HF-Chef weiter.

Herausforderung Fachkräftemangel

Bei der Vergabe wurde schnell deutlich, wie der aktuelle Bauboom sowie der anhaltende Fachkräftemangel die Umsetzung hemmen können. Bei kalkulierten 40 Elektromonteuren, die für zwei Jahre aktiv waren, hatte die Vergabephase somit eine besondere Bedeutung. Rulantica wurde letztlich von einem regionalansässigen Unternehmen elektrotechnisch ausgeführt, wobei HF flankierend die Qualitätskontrolle für dieses Werk übernommen hat.

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