Essbarer Park statt parkender Autos

Grønttorvet-Park in Kopenhagen

bauplaner 6/2021
Naturmaterial am Bau
Objekte
Dämmtechnik
Energie, Umwelt, Betriebssicherheit

Am Standort des früheren Großmarktes für Gemüse, Obst und Blumen „Grønttorvet“ im Kopenhagener Stadtteil Valby entsteht bis 2025 ein neuer Wohnbezirk mit rund 3.000 gemischt genutzten Wohnungen, Läden, Cafés und Büroflächen. Grünes Herzstück ist der 23.000 Quadratmeter große Park, unter dem sich eine rund 9.000 Quadratmeter große Tiefgarage verbirgt.

Der dänische Begriff „Grønttorvet“ heißt wörtlich übersetzt so viel wie „Grüner Platz“. Sehr treffend damals wie heute: Von 1958 bis 2016 war Grønttorvet im Stadtteil Valby der Marktplatz für Kopenhagens Floristen und Gemüsehändler. Als dieser Standort zu klein wurde, zog der Markt nach Høje Taastrup außerhalb von Kopenhagen. Nun konnte das frei gewordene Areal revitalisiert werden, ein neuer Wohnbezirk sollte entstehen. Ziel dabei war, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das ist hier gelungen mit nunmehr 3.000 Wohnungen in einer Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen sowie Gemeinschafts-, Senioren- und Studentenwohnungen. Wichtig war dabei auch eine nachhaltige und lebenswerte Stadtgestaltung. Dazu gehört eine grüne Gebäudearchitektur sowie Grünflächen im direkten Wohnumfeld. Daher wurde von der Projektentwicklergruppe FB Gruppen A/S eine begrünte Tiefgaragenlösung favorisiert, anstatt Parkhäuser in der Gegend zu bauen. So entstand bei der Transformation des historischen Großmarktes in einen grünen Wohnbezirk der 23.000 Quadratmeter große Grønttorvet-Park als zentrales grünes Herzstück.

Gemeinsame Grünräume
Ausgehend vom zentralen Park findet sich gemeinschaftliches Grün ebenso in der Bebauung ringsherum: Dort gibt es zum Eigenanbau nutzbare Grünflächen, Hochbeete und Gewächshäuser in Innenhöfen und auf Gebäudedächern sowie grüne Dachterrassen zur freien Nutzung. Diese kleinen Räume und Aktivitätsmöglichkeiten fördern nicht nur gesundes Wohnen, sondern auch die soziale Gemeinschaft der Bewohner aller Altersgruppen. Die Projektentwickler hatten darüber hinaus im Fokus, dass der Wohnbezirk alles Wichtige „direkt um die Ecke“ bietet. Kindertageseinrichtung, Einkaufsmöglichkeiten, Café, Restaurant und Kulturelles sind zu Fuß und per Fahrrad erreichbar. Das dortige Verkehrskonzept baut auf öffentlichen Nahverkehr und lässt private Pkw in der Tiefgarage mit 383 Stellplätzen verschwinden. So entsteht sicherer und grüner Freiraum.

Die Wohngebäude sind nach Blumen benannt, die hier einst verkauft wurden, wie Hortensien-Haus, Amaryllis-Haus oder Verbenen-Haus. Sichtbarer als diese Namensgebung sind die hohen Betonpfeiler und Streben im Park. Diese Relikte der früheren Markthalle wurden sorgfältig abgetragen und in die Parklandschaft integriert. An die historische Vergangenheit erinnern vor allem die Pflanzen selbst: Blumen, Kräuter, Gemüse, Beeren und Obstsorten, die in Hochbeeten, Dachgärten, Gewächshäusern und im Park wachsen, duften und schmecken. Das Konzept zu diesem „essbaren Park für alle“ stammt vom Landschaftsarchitekturbüro 1:1 Landskab. Der erfahrene Fachbetrieb Malmos A/S gestaltete die Umsetzung über einen Zeitraum von rund 5 Monaten.

 

Stabiler Begrünungsaufbau
Grundlage für die Begrünung der rund 9.000 Quadratmeter großen Tiefgaragendachfläche war eine 1-prozentig geneigte bituminös abgedichtete Betondecke mit 20 mm Gussasphalt. Der ZinCo-Systemaufbau „Dachgarten“ startete darauf mit der mechanisch hoch belastbaren Isolierschutzmatte „ISM 50“ und den vollflächig verlegten Drän- und Wasserspeicher-Elementen „Floradrain FD 60 neo“. Die großen Wasserspeichermulden dieser 60 mm hohen Elemente wurden mit dem Tonziegelsubstrat „Zincolit Plus“ verfüllt und damit die gewünschte Druckfestigkeit des Aufbaus erzielt. In den Elementen wird Niederschlagswasser gespeichert und Überschuss über das unterseitige Kanalsystem sicher abgeleitet – selbst über große Entwässerungslängen. Damit die Dränfunktion nicht beeinträchtigt wird, folgt im Aufbau der „Systemfilter SF“ als Abdeckung. Dieser verhindert, dass Feinteile aus der darüberliegenden Substratschicht eingetragen werden. Für die rund 45 cm Untersubstrat wurde lokal verfügbares Material, nämlich Ziegelreste aus den früheren umliegenden Gebäuden, aufbereitet und mitverwendet. Auf dieses folgten weitere rund 45 cm Systemerde „Dachgarten“. Aufgrund des stabilen und daher auch mit schwerem Baugerät befahrbaren Systemaufbaus konnte sämtliches Substrat, insgesamt 4200 Kubikmeter, per Radlader aufgebracht und verteilt werden.

Die Parklandschaft, welche seitlich ebenerdig und unsichtbar in den gewachsenen Boden übergeht, ist durchzogen von einem Netz aus Spazierwegen. Für diese Belagsflächen folgte auf das vorhandene Untersubstrat eine entsprechend hohe Schottertragschicht mit weiteren 3-4 cm Splitt. Während auf einem Teil der Wege in diese Bettung Granitpflaster verlegt ist, blieb auf anderen Wegabschnitten der Splitt selbst als Oberflächenbelag in seiner natürlichen Optik bestehen.

Neben dieser 1.000 Quadratmeter großen Belagsfläche sind 8.000 Quadratmeter üppig grün gestaltet. Die weitläufigen Rasenflächen sind mit vorkultiviertem Rollrasen begrünt und in den Bereichen mit Wiesenblumen wurden diese als Samenaussaat ausgebracht. Dazu schafft die Gemeine Hainbuche als Heckenpflanze Abgrenzungen. Die eigentlichen Hauptdarsteller im Pflanzkonzept sind 250 Obstbäume – Äpfel, Birnen, Pflaumen – die von den Bewohnern und Parkbesuchern geerntet werden dürfen und sollen. Wichtig bei deren Pflanzung war ihre sichere Verankerung auf der Dachfläche. Dazu verlegte man entsprechende Stahlgitter auf den Floradrain-Elementen und konnte daran die Wurzelballen mit Spannbändern sichern. Nach erfolgreicher Fertigstellung ist Malmos A/S auch für die weitere Pflege der gesamten Begrünung zuständig. Aktuell wird der Grønttorvet-Park übrigens weiter ausgebaut und soll auch eine Wasserfläche erhalten – für noch mehr Sinneserlebnisse und Abenteuer.

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