Holzbalkendecken im fast 500-jährigen Wasserschloss saniert

Staudenschloss bei Augsburg

Bauplaner 09/2022
Objekte
Sanierung
Holz
Das zwischen 1528 und 1535 erbaute Staudenschloss südlich von Augsburg wird bis 2024 umfassend saniert. Im Inneren wurden die Holzbalkendecken im ersten Obergeschoss sowie im Dachgeschoss mit losen Blähtonschüttungen verfüllt. Das offenporige Granulat verhindert Feuchteansammlungen an und in den Bauteilen und schützt langfristig vor Schäden an der historischen Bausubstanz.

Bei Mickhausen südlich von Augsburg, im Herzen der Stauden, versteckt sich eine in der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaute Wasserburg. Die Schlossanlage kam 1498 in den Besitz Kaiser Maximilians I. und gehörte ab 1528 den Fuggern, die dem Schloss wohl das heutige Aussehen gaben. 1842 wurde es von den Grafen von Rechberg-Rothenlöwen erworben und gelangte 1978 in Maklerbesitz, bevor es 2016 die Hermann Messerschmidt Kulturerbe-Stiftung erwarb. „Vornehmstes Ziel der Stiftung ist es, die einzigartige komplett erhaltene Schlossanlage der Frührenaissance in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege zu renovieren und wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen“, erläutert Stiftungsvorstand Dr. Dr. Wolfgang Knabe. „Das Staudenschloss soll künftig als Veranstaltungsstätte mit einem Museum kulturell genutzt und so für die kommenden Generationen bewahrt werden.“

Unten Gastronomie, oben Veranstaltungen
Im November 2019 fiel der Startschuss zunächst für den Beginn der Erhaltungsmaßnahmen des Schlosses, das als dreigeschossige Vierflügelanlage um einen rechteckigen Innenhof angelegt ist. Im Erdgeschoss wird der zentrale überwölbte Raum mit Mittelstütze im Südflügel künftig gastronomisch genutzt werden, während im ersten Obergeschoss neue museale Flächen entstehen. In jüngerer Zeit eingebaute Querwände wurden zurückgebaut; auch im zweiten Obergeschoss wird die ursprüngliche Raumgeometrie wiederhergestellt. Ziel ist dort die Nutzung für Veranstaltungen und Tagungen. Ein Highlight bildet dabei der große Festsaal im Ostflügel, der in seiner vollen Höhe wieder erlebbar wird. Die Dachgeschossflächen dagegen bleiben unausgebaut.  

Neue Böden auf allen Ebenen
In allen Geschossen beinhalten die Sanierungsmaßnahmen auch den Rückbau der vorhandenen Böden und die Schaffung neuer Bodenaufbauten. Im Erdgeschoss wurden die Flächen ausgekoffert und eine lastverteilende Bodenplatte inklusive einer flächendeckenden Fußbodenheizung eingebaut. Auch in den Geschossdecken des zweiten Obergeschosses sowie zum Dachboden hin wurde Material entfernt, und zwar die – stellenweise vorhandene – Fehlbodenfüllung in Form von Steinschutt. Danach zeigten sich die Feuchteschäden, die fast an jedem Balkenkopf, beispielsweise im Dachgeschoss, vorhanden waren. Die entsprechenden Balken wurden saniert und im zweiten Obergeschoss wurden aufgrund der neuen Nutzungsanforderungen zudem sämtliche Deckenbalken mit Stahlprofilen ertüchtigt.

Hauptkriterium Offenporigkeit
Anschließend ging es darum, das passende Füllmaterial für die Holzbalkendecken zu wählen. Ein möglichst geringes Gewicht sowie eine hohe Wärmedämmleistung standen hier nicht an erster Stelle. Vielmehr sollte das Material vor allem eine offenporige, diffusionsoffene Struktur aufweisen, die Feuchtigkeit im Bedarfsfall aufnehmen und wieder abgeben kann. Daneben sollte das Füllmaterial auch einfach einzubringen und ohne großen Aufwand direkt einsatzbereit sein. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Reversibilität, also die Möglichkeit, etwa im Fall einer späteren erneuten Umnutzung die Schüttung auch wieder problemlos entfernen zu können.

Feuchtehaushalt unter Kontrolle
Diese Anforderungen, gerade hinsichtlich Offenporigkeit und Reversibilität, ließen sich mit insgesamt 240 Kubikmetern einer ungebundenen Liapor-Blähtonschüttung der Sorte F3 (4-8 mm) am besten erfüllen. „Die luftporendurchsetzten Blähtonkugeln verhindern, dass Feuchtigkeit sich in und an den Bauteilen ansammelt und dort verbleibt“, berichtet Matthias Mönch von der Denkmalbau GmbH Ettersburg. „Dies unterbindet langfristig Feuchteschäden am Bauwerk und auch der bereits erfolgreich bekämpfte Hausschwamm kann sich so nicht erneut ausbreiten.“ Gleichzeitig erfüllt die Liapor-Schüttung hier den Mindestwärmeschutz und passt als rein mineralischer Baustoff auch gut zum historischen, denkmalgeschützten Bestand. Stand Ende Januar 2022 ist eventuell noch eine zementgebundene, hochdruckfeste Liapor-Schüttung auf den Gewölben über dem Erdgeschoss geplant.

Ab 2024 für die Öffentlichkeit erlebbar
Im Schloss wurden die losen Liapor-Blähtonschüttungen Anfang 2022 auf die neu montierten Fehlbodenbretter aufgebracht. Die durchschnittlichen Schichthöhen betragen in beiden Stockwerken rund 15 Zentimeter, die Basis bildet jeweils ein diffusionsoffenes Vlies als Rieselschutz. Den oberen Abschluss bilden Furnierholzplatten. Der Aufbau ist wartungsfrei und langlebig und trägt dazu bei, dass das einzigartige Staudenschloss kommenden Generationen erhalten bleibt und in neuer Funktionsmischung ab 2024 für eine breite Öffentlichkeit erlebbar wird.

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