Kollaborative Arbeitsprozesse

Integrale Zusammenarbeit von Tragwerksplanern und Architekten

bauplaner 10/2021
Hard- und Software
Planung
Tragwerksplanung und Architekturplanung sind zwei der wichtigsten Bereiche in der Gebäudeplanung – und bedingen einander. Denn das Tragwerk hat Auswirkungen auf die Architektur und die Entwurfsplanung auf die Gebäudestatik. Eine enge, kollegiale und vor allem lösungsorientierte Zusammenarbeit von Architekten und Tragwerksplanern ist damit zwingend notwendig. Das klappte bisher nicht immer reibungslos: Zu spät wurde die Tragwerksplanung in den Gebäudeentwurf einbezogen; nicht immer war das Verständnis für die Abhängigkeiten von Entwurf auf der einen und Bauwerkskonstruktion auf der anderen Seite bei den Planungspartnern vorhanden. Das ändert sich jedoch aktuell und grundlegend.

Die übergreifende sowie integrale Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren wird mit der BIM-Planungsmethode spürbar erleichtert. Die gemeinsame Planung an nur einem Gebäudemodell wird hier nun grundsätzlich möglich. Das verringert auf der einen Seite potenzielle Fehlerquellen dank einer frühen und gegenseitigen Kontrolle im „Vier-Augen-Prinzip“ und erhöht andererseits das gegenseitige Verständnis für die individuelle Arbeitsleistung der Projektpartner. Denn das Verständnis für die architektonischen Eigenheiten und die daraus resultierenden konstruktiven und statischen Ergebnisse lässt sich im 3D-Modell deutlich verbessern – im Gegensatz zu einer konventionellen 2D-Planung und einer Exceltabellen-dominierten Gebäudestatik.

Integrale Planung als Arbeitsmethode
Obwohl die Vorteile überwiegen, findet BIM erst allmählich Einzug in die kollaborativen Arbeitsprozesse zwischen Architektur- und Tragwerksentwicklung. Integrale Planung ist hier eine vielversprechende Arbeitsmethode, die immer öfter sowie erfolgreich zum Einsatz kommt. Integral, also übergreifend und interdisziplinär zu arbeiten ist dabei keine neue Erfindung. Doch sie gewinnt mit BIM stark an Bedeutung. Das dem so ist, beweisen vor allem jene konstruktiv und architektonisch aufwendigen Projekte, über die man kaum spricht – weil sie gänzlich ohne Planungsdesaster und Bauzeitverzögerung fertiggestellt wurden. Doch kennt jeder im Umkehrschluss die über viele Jahre hinweg bemühten Beispiele der Elbphilharmonie und des Flughafens BER, die uns zeigen sollen: Wir sind nicht in der Lage, fristgerecht und im Kostenrahmen zu planen und zu bauen. Doch das stimmt nicht.

Individuell — dennoch duale Softwarelösungen
Für Christian Petz, Diplomingenieur, Statiker und mit seinen vier Mitarbeitern erfolgreich mit seinem Büro für Tragwerksplanung in Wien ansässig, gilt seit jeher: Sie arbeiten eng und lösungsorientiert mit ihren Projekt-Architekten zusammen. Der Einsatz von individuellen Softwarelösungen, die für beide Planungspartner passen, ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. petz-zt nutzen neben ihren Bemessungsprogrammen Dlubal die Software Allplan sowie Tekla Structure (Abb.1 u. 2) und seit einiger Zeit Archicad (Abb. 3 u. 4) bei der Planung. Sie arbeiten im Zusammenspiel mit Archicad gemeinsam mit den Architekten von Franz&Sue in einem Gebäudemodell und einer Datenbank. Franz&Sue ist ein langjähriger Partner, mit dem die Tragwerksplaner bereits verschiedene Planungen realisiert haben und dem sie vertrauen. Ohne diese Vertrauensbasis, das stellt petz-zt Geschäftsführer Christian Petz heraus, ist die Zusammenarbeit in einem gemeinsamen 3D-Modell nicht möglich. Hinzu kommt, dass petz-zt und Franz&Sue nun zusammen erste Projekte mit Archicad bearbeiten und sich den entstehenden Nutzen gemeinsam erschließen. Christian Petz: „Für einen Bauingenieur funktioniert Archicad, wenn er konsequent im Modell des Architekten arbeitet. Die Vorteile, zum Beispiel bei der exakten Festlegung von Durchbrüchen oder der Lage notwendiger Deckenunterzüge, sehen dann beide im Modell vor sich und können sie zusammen optimieren.“
Dass das Ingenieurbüro im „Wiener Stadtelefanten“ sitzt, erleichtert die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Franz&Sue zusätzlich. Der Stadtelefant ist ein Bürogebäude und sog. „Kreativ-Cluster“ im Wiener Sonnwendviertel. Unter seinem Dach finden kreative Köpfe aus verschiedenen Bereichen zusammen und nutzen die kurzen Wege und zahlreichen Begegnungsoptionen im Gebäude, um immer wieder Kooperationen anzustoßen und Ideen in Geschäftsmodelle zu verwandeln. Das Gebäude plante und realisierte Franz&Sue, die Gebäudestatik kam von petz-zt. Beide Büros arbeiten heute direkt unter- und ständig miteinander. Die räumliche Nähe vereinfachte ebenso die notwendige technische Infrastruktur für ihre Kollaboration: Franz&Sue plant die Projekte mit Christian Petz über einen gemein-samen Projektserver im Gebäude; den Support beim Einsatz von Archicad gibt der regionale
GRAPHISOFT-Partner A-Null – ebenfalls im Stadtelefanten beheimatet.

Gemeinsame Standards vorausgesetzt
Damit eine integrale Zusammenarbeit im gleichen Modell überhaupt möglich ist, sind im Vorfeld gemeinsame Standards zu entwickeln. Grundsätzlich bringt jedes Architektur- und Planungsbüro hier seine eigenen Vorstellungen ein, die miteinander abgeglichen, angepasst und dann als ein für alle Beteiligten funktionierender Standard definiert wird. petz-zt hatten vor der gemeinsamen Planung im Archicad-Modell ebenfalls einen eigenen Bürostandard, mit dem die Projekte gerechnet wurden und der sich als praktikabel und gut erwiesen hatte. Jedoch war er 2D-basierend, was sich für die Arbeit mit dem 3D-orientieren Planungspro-gramm Archicad als nicht sinnvoll erwies. Eine Aufgabe, die Christian Petz gemeinsam mit seinen Kollegen anging: „Unsere Pläne bilden Tragsysteme meist im 2D ab. Das war eine Herausforderung in Archicad, die wir dank der Überlagerung von Schnitten, durch das 3D-Modell gelegt und mit der Planung ergänzt, gut lösen. Hinzu kommt, dass Architekten von oben auf das Gebäude und die Ebenen schauen. Tragwerksplaner schauen jedoch stets von unten auf die Decke; wir wollen die Decke und ihre Konstruktion sehen. Das mussten wir ebenfalls berücksichtigen.“

Einer der entscheidenden Vorteile bei der Zusammenarbeit im gleichen Modell: Es entsteht kein Datenverlust durch den bidirektionalen Austausch von Planungsdaten. Das minimiert die Fehlerquote im Planungsverlauf. Die gängigen offenen Austauschformate IFC, BCF und im Statikbereich SAF funktionieren gut – dennoch interpretiert jede Software den Datensatz individuell und mit kleinen Abweichungen. An dieser Stelle sind die Softwarehersteller in den kommenden Jahren aufgerufen, ihre Programme zu optimieren. Das Problem des Datenaustausches stellte sich jedoch nicht für Christian Petz bei der Schalungsplanung. Er sieht hierin auch den großen Mehrwert, weiterhin und gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen von Franz&Sue zusammenzuarbeiten. Christian Petz: „Wir haben das Gefühl, über einen Problempunkt zu sprechen und ihn sofort und gemeinsam im Archicad-Modell anzugehen. Das ist eine andere Arbeitsweise, als wir sie bisher gewohnt waren und die nun gemeinsam mit unseren Architekten möglich ist.“

www.graphisoft.com
www.petz-zt.at
www.franzundsue.at

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