Schließlösungen für das Wohnen 4.0

Technisierung des Zuhauses nimmt Fahrt auf

bauplaner 01-02/2020
Licht & Gebäudetechnik

Die Digitalisierung verändert unseren Alltag massiv. Das gilt auch für den Ort, an dem sich Menschen geschützt und sicher fühlen wollen: das eigene Zuhause. Zukunftsforscher entwickeln Szenarien, wie das Wohnen in wenigen Jahren oder Jahrzehnten aussehen kann. Ein wesentlicher Bestandteil davon werden smarte Produkte und vernetzte Technologien sein.

Was ist eigentlich Wohnen 4.0? Thomas Schleich, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Schleich Engineering: „Unsere Zukunft ist auch beim Thema Wohnen digital. Zukunftsforscher prognostizieren schon heute eine völlig andere Lebensweise, die in wenigen Jahren Realität werden kann. Basis dazu ist die digitale technologische Entwicklung, insbesondere der Bereich ‚Künstliche Intelligenz‘ (KI): Richtig eingesetzt nimmt sie uns Routineaufgaben ab und lässt uns mehr Raum für Kreativität, Freizeit und Gemeinschaft – also für das echte Leben.“
Und wie lässt sich das beim Wohnen umsetzen? „Das Schlagwort heißt hier Smart Living“, fährt Thomas Schleich fort. „Wir müssen analoge Gebäude in die digitale Welt bringen. In Kurzform: mehr Hightech, weniger Stress. Die Mehrwerte für die Bewohner und Betreiber kommen nicht nur durch bestimmte Produkte, sondern vor allem durch Service und intelligente Software.
Unser Ansatz ist eine herstellerunabhängige, drahtlose Gebäudesteuerung, die sämtliche Komponenten integriert und komplett über eine einzige App zu bedienen ist.“

Schon heute realisierbar sind komfortable Ausstattungen wie smarte Türschlösser und digitale Paketstationen oder eine energiesparende Heizungs- und Lichtsteuerung. Als Voraussetzung dafür gelten allerdings Produkte, die offene Schnittstellen aufweisen. Denn sonst können die einzelnen Gebäudesysteme nicht miteinander kommunizieren und sind erstrecht nicht in einer einzigen App zu integrieren.

Visionäre Projektpartner ermöglichen Wohnen 4.0

Wie solch ein Projekt gelingen kann, zeigt der im Januar 2019 fertiggestellte Stuttgarter Wohnkomplex „Cosmo“. In einem der begehrten Stadtquartiere am Europaviertel entstand ein Gebäude mit 38 Wohneinheiten, für deren Nutzer das „Wohnen 4.0“ bereits Wirklichkeit ist. Um dieses Objekt realisieren zu können, haben sich mit den Unternehmen Orsus und Schleich Engineering zwei visionäre Projektpartner der Region auf Investoren- und Planungsseite zusammengetan und ein völlig neues, übergreifendes System für die Gebäudetechnik entwickelt. Komfortable Zugänge ohne Schlüssel, zum Beispiel mit biometrischen Daten, gehören unter anderem zu den smarten Wohnkomponenten.

Schließlösungen mit offenen Schnittstellen

Für schlüssellose Zugänge, die in die Gebäudetechnik integriert sind, müssen Schließlösungen mit offenen Schnittstellen eingesetzt werden. Im Objekt Cosmo sind die Fassaden- und Wohnungseingangstüren mit der elektromechanischen Mehrfachverriegelung „819N“ von Assa Abloy ausgestattet. Das drückergesteuerte, selbstverriegelnde Sicherheitsschloss lässt sich an die Hi-O-Technologie des Herstellers anschließen. Diese 4-Draht-Bustechnologie ermöglicht die Abfrage unterschiedlicher Schlosszustände.
Als offene Kommunikationsschnittstelle zwischen der Hi-O-Technologie und der allgemeinen Gebäudesteuerung über CAN arbeitet ein von Assa Abloy entwickelter CAN-Connector. Die Rückmeldungen des Schlosses sind somit über das digitale Netzwerk abrufbar.
Ebenfalls zum Einsatz kommt das Fluchttürterminal „ePED 1386“ des Herstellers, das zur Absicherung der Notausgangstüren dient. Auch hier erlaubt die offene Schnittstelle eine Integration in das Gesamtnetzwerk des Gebäudes. Die vielfältigen, schnell verfügbaren Informationen der einzelnen Schließelemente erleichtern dem Facility Management in derartigen Wohnobjekten erheblich die Arbeit: Der Status jeder Tür ist sofort erkennbar – Probleme können dadurch schneller erkannt und behoben werden.
Bei Projekten wie der Realisierung des Cosmo-Wohnkomplexes stehen die Assa-Abloy-Experten den Baupartnern zur Seite. Je früher das Thema Schließlösung dabei in die Planung einfließt, umso besser lassen sich spezielle Anforderungen und Vernetzungen realisieren. Thomas Päsler, Objektberater bei Assa Abloy, erzählt: „Wir stehen nicht nur beratend zur Seite, sondern optimieren bei Bedarf unsere Lösungen auch speziell für das jeweilige Projekt.“
So wurde der CAN-Connector im Verlauf dieses Bauprojektes in eine unauffällige Unterputzdose integriert. Der Hersteller liefert die Schließkomponenten mit der komplett aufeinanderabgestimmten Hi-O-Technologie, deren Abhängigkeiten und Schließabläufe durch den CAN-Connector von einem digitalen Netzwerk angesteuert werden können. So können Fehlerquellen von vorneherein ausgeschlossen werden.
Wichtig für eine Wohngebäudetechnik, die Komponenten verschiedener Hersteller integrieren soll, ist ein standardisiertes Netzwerk, in das sämtliche Elemente eingebunden werden können. Nur so ist auch eine Steuerung möglich, die jedes der digitalen Technikelemente komfortabel über eine einzige Oberfläche bedienbar macht.

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