Schwellenlose Türen – für manche ein Muss

Barrierefreies Bauen

bauplaner 7-8/2019 (Baustoffe)
Baustoffe

Für manche Menschen – vor allem ältere und behinderte – sind Türschwellen mit einer Höhe von zwei Zentimetern  ein echtes Hindernis. Um sie zu vermeiden, waren früher aufwendige und teure Sonderkonstruktionen rforderlich. Doch mit bestimmten Produkten können Nullschwellentüren mit wenig Aufwand montiert werden.

Ein Blick auf die demografische Entwicklung zeigt deutlich: Zukünftig wird der Anteil an über 70-jährigen Menschen höher sein als  jemals zuvor. Doch diese Lebensphase ist häufig mit körperlichen Einschränkungen verbunden. So kann beispielsweise die Sehkraft nachlassen, weshalb man Hindernisse nicht mehr sofort wahrnimmt, die Knie können schmerzen oder die Kraft in Armen und Beinen schwindet. Das hat zur Folge, dass Dinge, die früher mühelos bewältigt werden konnten, zum Problem werden. So wird zum Beispiel das Aufstehen aus dem Bett zur Herausforderung oder der Teppich im Flur zur Stolperfalle. Und auch Türschwellen mit zwei Zentimeter Höhe – über die man sich als agiler Mensch noch keine Gedanken gemacht hat – können zur echten Barriere werden. Beispielsweise wenn eine ältere Person einen Rollator nutzt und nicht mehr die Kraft hat, diesen über die Schwelle zu schieben. Oder wenn eine Person krankheits- bzw. altersbedingt einen schleifenden Gang hat. Sie wird von einer Zwei-Zentimeter-Hürde nicht nur behind rt,  sondern ernsthaft gefährdet, da sie mit den Schuhen hängen bleibt und im schlimmsten Fall stürzt.

Balanceakt eines Rollstuhlfahrers
Noch misslicher sieht es bei Rollstuhlfahrern aus. Sie werden von solchen Schwellen regelrecht ausgebremst. Um diese zu überwinden,  sind sie gezwungen, das Gewicht im Rollstuhl derart zu verlagern, dass die vorderen Räder in der Luft sind. Anschließend müssen sie den Stuhl in dieser Position so weit nach vorne  ollen, dass die vorderen Räder über die Schwelle gehoben werden. Erst dann können sie den Stuhl absenken und mit viel Kraft die hinteren, großen Räder über die Schwelle drücken. Eine motorische Aufgabe, die nicht nur viel Kraft, sondern auch Gleichgewichtssinn und Mut braucht – denn schließlich läuft man beim Ankippen jedes Mal Gefahr, zu viel Schwung zu nehmen und auf den Hinterkopf zu fallen, wenn der Rollstuhl nicht über eine entsprechende Schutzvorrichtung verfügt. Querschnittsgelähmte Personen können diese „akrobatischen Leistungen“ – je nachdem in welcher Höhe der Rückenmarkquerschnitt beeinträchtigt ist – gar nicht durchführen. Ältere Menschen, die im Rollstuhl  itzen, weil die Muskulatur der Beine nachgelassen hat oder weil sie unter Schmerzen leiden, sind hier meist hoffnungslos überfordert. Und auch für das Pflegepersonal ist eine Zweizentimeterschwelle eine zusätzliche Belastung. Denn selbstverständlich muss auch sie mehr Kraft.

Die DIN als gute Planungsgrundlage  Auf Grundlage der DIN 18040 sind bauliche Anlagen so zu gestalten, dass sie auch von Menschen mit Behinderung nutzbar sind – und zwar ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe. Hierbei sollen die Bedürfnisse von ganz unterschiedlichen Menschengruppenberücksichtigt werden. Dazu  gehören zum Beispiel Personen mit Seh- oder Hörbehinderung, Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder auch Personen, die Mobilitätshilfen und Rollstühle benutzen. Die Norm macht Angaben über bauliche Maßstäbe, wie Mindesttürbreiten, das maximale Steigungsmaß und auch die zulässige Höchstgrenze einer Schwelle. So definiert sie, dass untere Türanschläge und Schwellen nicht zulässig sind. Sie dürfen nur dann eingebaut werden, wenn sie sich technisch nicht vermeiden lassen und dürfen dann nicht höher als 2 Zentimeter sein. In der Tat waren bei Balkon- und Haustüren lange Zeit exakt diese 2 Zentimeter technisch nicht vermeidbar, doch das gehört der Vergangenheit an. Inzwischen haben einige Herst ller die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Systeme entwickelt.

Keine technische Notwendigkeit mehr
Ein Vorreiter ist die Firma Grundmeier. Sie bringt mit „Combi Plan“ ein Türschwellensystem auf den Markt, das ohne unteren Anschlag oder Erhöhung im Bereich der Türöffnung auskommt. Dabei hat es einen entscheidenden Vorteil: Im Vergleich zu einer herkömmlichen Tür sind nur wenige zusätzliche Elemente erforderlich. Und auch die Handgriffe der Montage bleiben weitestgehend gleich. Das System kann für Haustüren, Balkontüren mit Drehkippbeschlag und Stulptüren eingesetzt werden. Ein effizientes Dichtungssystem sorgt dafür, dass das Wasser draußen bleibt (Schlagregendichtheit bis zu Klasse A9 nach DIN EN 1027:2016-09 und DIN EN 12208:2000-06). Feuchtigkeit, zum Beispiel Regenwasser, wird über eine optimierte vorgelagerte Dränagerinne abgeleitet. Bei der Entwicklung der bodenebenen Türen hat der Beschlaghersteller noch einen weiteren Aspekt berücksichtigt: das Thema Sicherheit. Combi Plan-Türen bieten eine hohe Einbruchshemmung (Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627:2011-09 mö lich). Ein Thema, das vor allem für ältere Menschen sehr wichtig ist. Selbstverständlich sind die Nullschwellentüren nicht nur für Menschenmit Handicap eine Bereicherung; auch gesunde nutzen den Komfort eines schwellenlosen Zugangs gerne.

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