Sicherheit im Logistikzentrum

Brandschutzkonzept für komplexe Anforderungen

bauplaner 05/2021
Sicherheitstechnik
Brandschutz

Laut einer Studie der Allianz Global Corporate & Specialty verursacht ein einzelner Brand in einem Lagergebäude schnell 3 Millionen Euro Sachschaden. Daher ist eine verlässliche Brandschutzlösung angeraten. Der Automotive- und Industriezulieferer Schaeffler stattete sein Logistikzentrum in Kitzingen, eins der modernsten weltweit, mit Brandmeldetechnik aus, die den hohen Anforderungen gerecht wird.

Im Osten der 21.000-Einwohner-Stadt Kitzingen nahm der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler im Juni 2018 sein Logistikzentrum in Betrieb. Auf einer Fläche von 24.000 Quadratmetern können bis zu 96.000 Kisten und 58.000 Paletten erfasst und eingelagert werden. Die Kapazitäten an den Laderampen ermöglichen es, täglich jeweils 100 Lkw abzufertigen, die Waren bringen oder abholen. Rund 160 Mitarbeiter sind aktuell am Standort tätig.

Die Weitläufigkeit und Komplexität der gesamten Anlage stellte die Brandschutzverantwortlichen vor große Herausforderungen. „Das ist schon aufgrund der Größe keine normale Gebäudesituation“, erklärt Matthias Brandes, Leiter Produktmanagement Brandmelde- und Sprachalarmanlagen bei Hekatron Brandschutz. Weil die Hallen so hoch sind, mussten sich die Brandschutzexperten etwas Besonderes überlegen: Bei einem derartigen Projekt muss die Sensorik für Früherkennung auf verschiedene Störgrößen abgestimmt sein. Ursprünglich war eine Komplettüberwachung ausschließlich mit punktförmigen Mehrfachsensormeldern geplant. Nach einer Analyse der Gegebenheiten und mit der Beratung der Planer- und Errichterfirma Fuchs Sicherheitstechnik aus Schweinfurt entschied sich Schaeffler, die Anzahl der Mehrfachsensormelder zu reduzieren und durch Ansaugrauchmelder und Lichtstrahlmelder zu ersetzen. Dadurch wird die Anlage wirtschaftlicher in den Folgekosten und störsicher auch bei erschwerten Umgebungsbedingungen.

Sicherheit aus einer Hand
Die Entscheidung fiel auf eine Anlage mit „Integral IP“-Brandmeldezentralen, „ASD“-Ansaugrauchmeldern, linienförmigen Rauchmeldern der „Ilia“-Baureihe sowie punktförmigen Mehrfachsensormeldern vom Typ „Integral Cubus“ – alle von Hekatron Brandschutz. Fuchs war als erfahrenes Fachunternehmen für die Planung und Errichtung der gesamten Sicherheitssysteme und der Brandmeldeanlage verantwortlich. „Wir haben ein breites Spektrum an Brandmeldetechnik verbaut und konnten so auf die speziellen Anforderungen eingehen“, erklärt Geschäftsführer Klaus Fuchs.

„Die linienförmigen Rauchmelder eignen sich hervorragend, um die großen Distanzen in den Hallen zu überbrücken. Zudem sichern die Ansaugrauchmelder auch die Areale mit Raumhöhen von bis zu 14 Metern ab.“ Die Komplettlösung bietet für Fuchs viele Vorteile: Eine Anlage aus einer Hand ist leistungsfähig und sichert die Gewährleistung und Wartung. Mit einer nahezu unendlichen Ausbaufähigkeit können auch künftige Anforderungen gemeistert werden. Zudem kann die Anlage über „Hekatron Remote“ sowohl vor Ort als auch mobil angepasst und gesteuert werden. „Bei derartigen Bauvorhaben muss allerdings auch sehr gut geplant werden“, erklärt Klaus Fuchs. „Es gibt nur ein bestimmtes Zeitfenster für die Installation der Brandmeldeanlage. Stehen die Maschinen und Einbauten erst einmal an ihrem Platz, sind viele Bereiche nicht mehr oder nur mit erheblichem Mehraufwand erreichbar. Außerdem muss schon bei der Planung sichergestellt sein, dass spätere Einbauten die Funktion der Brandmelder nicht beeinträchtigen.“ Hierfür waren kontinuierliche Absprachen zwischen Hekatron Brandschutz, der Errichterfirma und dem Bauherrn erforderlich. So konnte die Firma Fuchs auch noch die Anlage an die im Bauprozess durchgeführten Änderungen anpassen und dennoch sichergehen, dass die Anlage die Kriterien für die Abnahme durch den Bausachverständigen erfüllt.

Wirtschaftliche Lösung für den Betreiber
Neben den Errichtungskosten sind es vor allem die Folgekosten, die für den Betreiber ins Gewicht fallen. „Die Sonderlösung ist einfach kosteneffizient“, erklärt Mathias Olbrich, Brandschutzbeauftragter der Firma Schaeffler.

„Für die großen Flächen hätten wir sehr viele Punktmelder verbauen müssen, die einer regelmäßigen Wartung bedürfen.“ Derartige Einsätze sind gerade in hohen Hallen aufwendig, da die Rauchmelder meist nur mit Hebebühnen vom Boden aus erreichbar sind. Bei der Verwendung von Lichtstrahlmeldern und Ansaugrauchmeldern – selbst bei weit über 10 Meter Deckenhöhe – sind für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten keine Aufwendungen für Hebebühnen oder sonstige Hilfsmittel erforderlich. Die Auswerteeinheiten sind in normal erreichbaren Montagehöhen. Die Arbeiten können während des laufenden Hochregallagerbetriebs ausgeführt werden. Eine Betriebsunterbrechung, um an den Geräten arbeiten zu können, fällt nicht an. Zusätzliche Schwierigkeiten bereiten auch schwere Maschinen und Einbauten, die im Weg stehen. „Wartungsarbeiten sollten auf keinen Fall die Betriebsabläufe stören“, so Olbrich, „Auch deshalb haben wir uns für eine Ansauganlage entschieden. Hier müssen wir lediglich einige Filter an den gut zugänglichen Basisstationen wechseln.“ Eine Überwachung mit Ansaugmelder und den individuellen Alarmierungslösungen der Alarmbox sind effizienter. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Sonderlösungen trotz widriger Bedingungen weniger Fehlalarme verursachen. „Wir haben die Anlage schon während der Bauphase freigeschaltet und konnten so die Fehlalarmanfälligkeit prüfen“, ergänzt der Brandschutzbeauftragte. Im Prozess werden die Meldeanlagen dann entsprechend justiert. Das Ansaugsystem ASD lernt seine umgebungsbedingten Störgrößen objektspezifisch. Der Sensor stellt sich somit auf seine Umgebung ein. Außerdem können Voralarme mit niedrigen Auslöseschwellen programmiert werden. Auch hier konnte Fuchs mit der Integral-Brandmeldeanlage die Auslösungen und Meldungen über eine erstellte Matrix vorab festlegen, an die Praxis anpassen und technisch genau umsetzen – natürlich in Abstimmung mit Betreiber und Brandschutzbeauftragtem. Schaeffler kann dadurch verschiedene Situationen intern prüfen, bevor ein Hauptalarm bei der Feuerwehr eingeht. Auf diese Weise lassen sich kostspielige Ausfallzeiten reduzieren.