Vom „Forschungsheim“ zur „notifizierten Stelle“ nach BauPVO

Am 29. November 1924 leitete der Gründer des FIW München, damals Forschungsheim für Wärmeschutz e.V., Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. Osc. Knoblauch seinen Vortrag „Wärmedurchgang durch pulverförmige Körper in luftverdünntem Raume“ mit folgenden Worten ein:

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bauplaner 06/2012
Am 29. November 1924 leitete der Gründer des FIW München, damals Forschungsheim für Wärmeschutz e.V., Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. Osc. Knoblauch seinen Vortrag „Wärmedurchgang durch pulverförmige Körper in luftverdünntem Raume“ mit folgenden Worten ein:

„Der Aufforderung, auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des Forschungsheimes für Wärmeschutz einen kurzen Vortrag zu halten, komme ich gern nach, denn es bietet sich mir dadurch eine willkommene Gelegenheit, den Zweck und das Ziel des Forschungsheimes zu fördern, welche in der Erweiterung und der Vertiefung der Kenntnisse über den Vorgang des Wärmeschutzes bestehen. Freilich wird es immer schwieriger, für solche Vorträge ein geeignetes Thema zu finden, denn wir feiern jetzt bereits den 6. Geburtstag des Forschungsheimes und in den letztvergangenen Jahren ist das Interesse an den Erscheinungen der Wärmeübertragung erfreulicherweise so gewachsen, daß Ihnen die allgemeine Gesetze bekannt sind. Soweit daher die Vorträge nicht einen Bericht über neuere Ergebnisse enthalten, müssen sie von den allgemeineren Vorstellungen bereits zu den spezielleren übergehen, wenn Sie Ihnen etwas Neues bieten wollen ...“

Dieses Thema war 1924 geradezu visionär und ist heute immer noch aktuell. Auch und gerade für das FIW München, das sich als Forschungsinstitut intensiv mit der Erforschung und Erprobung von Technologien und neuen Stoffen zur Verbesserung der Energieeffizienz wie z.B. den VIP-Paneelen befasst und als Prüfinstitut die Hersteller im Rahmen der Zulassung und der Qualitätsüberwachung bzw. freiwilligen Gütesicherung ihrer innovativer Produkte begleitet (vgl. Dämmtechnik 2-2011. In: Deutsches Ingenieurblatt, Heft 12-2011). Auch in diesem Fall war und ist das FIW München der Partner des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBt, das die Zulassungen für Vakuum-Wärmedämmplatten (VIP) erteilt. Es galt neben der Ermittlung der reinen produktbezogenen Eigenschaften auch Fragen hinsichtlich der Beurteilung der Alterung und der Wärmebrückenwirkung im Bereich der Plattenstöße zu beantworten. Die langjährige und erfolgreiche Kooperation mit dem DIBt wird auch in Zukunft von großer Bedeutung sein, da das FIW München bereits heute die Anforderungen einer notifizierten Stelle nach der Bauproduktenverordnung BauPVO erfüllt und bei der Deutschen Akkreditierungsstelle akkreditiert ist. (Siehe zu diesem Thema den Beitrag von Dr. Gellert in diesem Heft.)

Professor Knoblauchs Feststellung, dass die allgemeinen Gesetze zum Thema Wärmeschutz bereits bekannt sein dürften, ist – denke ich – damals wie heute nicht ganz richtig. Hier gibt es immer wieder Informations- und Erklärungsbedarf, auch und gerade wegen der gestiegenen Anforderungen an den Wärmeschutz für die Gebäude in Deutschland aufgrund der Energieeinsparverordnungen. Neue Produkte und neue Anwendungsmöglichkeiten von Produkten erfordern immer wieder Forschung über Produkteigenschaften und vor allem auch die ständige Qualitätssicherung der Bauprodukte. Hier übernimmt das FIW München als nationales und internationales Prüfinstitut und Überwachungsstelle mit einer starken Forschungsabteilung eine wichtige Funktion. Das FIW München versteht sich aber auch als Beratungsstelle für den Hersteller, um die Eigenschaften seiner Dämmstoffprodukte zu optimieren und die Leistungsbeständigkeit und Zuverlässigkeit langfristig zu sichern. Und es ist wichtig, dass Forschungsergebnisse, überhaupt Informationen aller Art über Dämmstoffe gerade bei Planern und Anwendern verbreitet werden. Hier ist die Unterstützung des Deutschen Ingenieurblattes und seines Supplements „Dämmtechnik“ von großer Bedeutung.

Als Nachfolger von Dr. Gellert in seiner Eigenschaft als Leiter des FIW München greife ich diese Kooperation gerne auf, auch und gerade, um die visionären Gedanken von Prof. Knoblauch aus dem Jahre 1924 weiterhin in die Tat umzusetzen. Ich hoffe, so die nun über 90-jährige Tradition des FIW München fortsetzen zu können.

Prof. Dr. Andreas H. Holm
Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V.
München (FIW München)
www.fiw-muenchen.de

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