Wärmedämmung – unverzichtbar und mit Ingenieurkompetenz problemlos durchführbar

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bauplaner 12/2012

Die energetische Sanierung des Gebäudebestands, aber auch die Energieeffizienz der Neubauten sind heiße Themen, wenn in der politischen Diskussion um die EnEV 2013 über weitere Senkungen des Primärenergiebedarfs gestritten wird. Gleichzeitig häufen sich Medienberichte
über angebliche bautechnische Probleme und Defizite bei der Wärmedämmung, bis hin zu dem absurden Argument, Energieeinsparung mit Dämmstoffen sei bauphysikalisch unmöglich.

In dieser Situation wird die Rolle der Energieberater immer wichtiger. Idealerweise an kein Unternehmen gebunden, gewährleisten sie eine objektive und herstellerunabhängige Beratung, zeigen dem Investor und Bauherren einerseits Einsparpotenziale und Investitionsmöglichkeiten und weisen andererseits frühzeitig, das heißt vor Baubeginn, auf bautechnisch einwandfreie
Lösungen hin. Bei dieser Beratung des Bauherren (gegebenenfalls auch des Verarbeiters) kommt es oft darauf an, negative Meinungen und Auffassungen zum Einsatz von Wärmedämmstoffen in der Fassade zu widerlegen. So werden immer wieder die Durchfeuchtung, die geringe Lebensdauer, die mechanischen Beschädigungen und die Algenbildung bei WDVS genannt, um deren praktische Bedeutung in Frage zu stellen. Und natürlich wird auch die Kostenfrage gestellt.

Feuchteschäden an Fassaden sind kein spezielles oder typisches Problem von WDVS. Feuchtigkeit ist an fast allen Bauschäden beteiligt. Schadensfälle bei WDVS mit keramischer Bekleidung zum Beispiel und ihre Erforschung haben schon 1997 gezeigt, dass das Eindringen von Feuchtigkeit von außen durch möglicherweise poröse Fliesen oder Spaltplatten in Kombination mit hydrophobierten elastifizierten Fugenmörteln minimiert werden kann.

Zahlreiche Studien haben auch gezeigt, dass bei sachgerechter Verarbeitung, Wartung und Instandhaltung von sehr langen Lebensdauern bei WDVS auszugehen ist, durchaus vergleichbar mit einfach verputztem Mauerwerk. Erfahrungen aus 50 Jahren mit mittlerweile ca. 800 Mio. Quadratmetern WDVS in Deutschland zeigen, dass es sich um ein bewährtes System mit minimaler Schadensbilanz handelt. Mechanische Beschädigungen durch Sturm, Regen, Hagel treten nicht häufiger auf als bei anderen Fassadenbekleidungen. Schäden durch Löcher, die zum Beispiel von Spechten verursacht wurden, sind kein Dämmstoff- oder EPS-spezifisches Thema, da sie auch bei Bekleidungen oder Verschalungen mit Brettern oder Holzwerkstoffen auftreten können. Auch die Algenbildung an Fassaden ist ein allgemeines Problem und tritt ebenso an verputzten Fassaden und massiven Steinfassaden auf, wie man an historischen Gebäuden sehen kann, die sich grün oder schwarz verfärben. Algenbildung hängt von sehr vielen Faktoren wie Dachüberstand, Putzart, Rauigkeit und Struktur des Putzes, Verschattung, Gebäudeausrichtung, Wärmekapazität des Systems usw. ab.

Die größte praktische Bedeutung bei der energetischen Sanierung haben die Wärmedämmung der Hüllfläche, der Fensteraustausch und die Heizungserneuerung. Allgemein gültige Aussagen über die einzelnen Wirkpotenziale dieser Maßnahmen sind jedoch nicht möglich, da objektspezifisch große Unterschiede auftreten können. Gleiches gilt für die Bevorzugung der einen Maßnahme gegenüber einer anderen, da bei Investitionsentscheidungen neben den energetischen Aspekten auch Substanzerhaltung, Wertund Behaglichkeitssteigerung eine Rolle spielen. Vielfach wird vergessen oder bewusst unterschlagen, dass die Dämmung der Fassade die thermische Behaglichkeit im Winter, aber auch im Sommer nachweislich erhöht.

Der Energieberater im Allgemeinen ist in den Medien zwar allgegenwärtig, stellt aber eine sehr heterogene Berufsgruppe dar (Handwerker, Schornsteinfeger, Ingenieure, Architekten). Für die Bauingenieure empfiehlt sich dringend, die Zusatzqualifikation „Energieberater“ zu erwerben, beispielsweise durch eine Fortbildung nach den Kriterien des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA, www.bafa.de). Qualifizierte Energieberater sollten sich in seriöse Internet-Datenbanken eintragen lassen, zum Beispiel auf der Seite der KfW-Bank oder der Deutschen Energieagentur dena (https://effizienzhaus.zukunft-haus.info).

Prof. Dr.-Ing. Andreas H. Holm
Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V.
München (FIW München)
www.fiw-muenchen.de

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