Alpiner Rückzucksort ausdrucksvoll verwandelt

Autorin: Eva Mittner

Bauen im Bestand
Sanierung
Green Engeneering: Umwelt, Energie, Mensch
Naturmaterial am Bau
Holz


Hotel Pfösl authentisch erweitert und saniert

Ein starkes Stück Neuanfang nebst technischen und energetischen Verbesserungen und völlig neuer Struktur für die Fassade. Damit wurde in der Kulisse der Südtiroler Dolomiten – nur 25 Kilometer von Bozen entfernt – das ungewöhnliche Gebäude-Ensemble des Hotels Pfösl in Deutschnofen nach der Sanierung zum Hingucker. Mitte 2017 konnten die Betreiber das Vier Sterne Hotel nach den umfangreichen Umbauten wieder eröffnen.

Ende 2016 begann die Vorarbeiten zur Sanierung und Erweiterung des Hotels Pfösl. Bei dem umfangreichen Bauvorhaben wurde das bestehende Gebäude-Ensemble komplett umgestaltet. Die zusätzliche Modernisierung des gesamten SPA-Bereichs krönt jetzt ein neues Schwimmbad mit 25 Meter Sole Infinity Pool. Ebenfalls neu sind drei ungewöhnliche Chalets am Waldrand – aus heimischen Hölzern gebaut. Besonderer Blickfang ist die neue Holzfassade – sie macht das gesamte Gebäude zu einem modernen Hingucker.

Neues SPA mit erfrischenden Highlights

Die Naturverbundenheit der Gastgeber zeigt sich im über 2000 Quadratmeter großen SPA und den vielen Indoor- und Outdoor-Entspannungsmöglichkeiten. Das naturaspa wurde auf 2.000 Quadratmeter erweitert, ein Highlight ist der 25 Meter lange Infinity-Sole-Pool.

Großes Lob vom Landesbeirat Baukultur

Seit 2016 befassten sich die Landesraumordnungskommission, die Gemeinde Deutschnofen und der Landesbeirat für Baukultur mit dem geplanten Umbau und der Erweiterung.

Genau geprüft wurde der Durchführungsplan für die erweiterte Tourismuszone im Bauleitplan von Deutschnofen. Durch die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten gelang es hier und auch für zukünftige Projekte, die Qualität derartiger Vorhaben durch eine möglichst sinnvolle architektonische Planung zu gewährleisten. Im speziellen wichtig ist der achtsame Umgang mit der landschaftlichen Umgebung. Zu einem Ideenwettbewerb wurden bereits 2015 zunächst mehrere Architekten eingeladen. Wichtig für den Beirat und die Bauherren war es, verschiedene Konzepte zu vergleichen und über einen gemeinsamen Bewertungsprozess die einzelnen Möglichkeiten und Vorschläge auszuloten. Mit Erfolg.
 

Die Planung der Architekten bergmeisterwolf zielte darauf, die Revitalisierung des Haupthauses behutsam und radikal zugleich zu gestalten. Behutsam im Klären und Herausarbeiten von Elementen – insbesondere das vorher kaum wahrnehmbare Haupthaus wurde wieder wahrnehmbar. Radikal in der Beseitigung von störenden und überflüssigen Komponenten. Fokussiert wurde zudem auf die Vereinfachung der Volumetrie des Haupthauses. Durch das Einsetzen horizontaler Elemente bekam das Gebäude eine neue sowohl spannende als auch harmonisierende Optik.

Der zentrale Freiraum zwischen Hotel und dem ebenfalls revitalisierten Stallgebäude wurde bewusst sensibel in das Konzept einbezogen. So gestaltet wurde das Miteinander der Objekte nun erst richtig wahrnehmbar und erhielt seine Freiheit zurück. Für früher hier parkende Autos hat man im Osten des Haupthauses einen Parkplatz geschaffen.
Inzwischen würdigte der Landesbeirat für Baukultur und Landschaft die Ergebnisse des Umbaus und die Erweiterung gleichermaßen – in Bezug auf das Projekt selbst als auch im Hinblick auf das gesamte Vorgehen im Baufortschritt.

In 88 Tagen Bauzeit zum Vorzeigehotel saniert

Die heutigen Gastgeberinnen, die Schwestern Brigitte und Eva Zelger, übernahmen schon 2007 das 1950 errichtete Stammhaus von ihren Eltern und verwandelten es Stück für Stück in einen Kraftplatz, umgeben von 35 Hektar Wiesen und Wälder. Den Architekturwettbewerb konnten die Architekten bergmeisterwolf aus Brixen mit dieser außergewöhnlichen Planung für sich entscheiden.
 

Die Architekten Michaela Wolf und Gerd Bergmeister punkteten vor allem mit klaren strukturierten und doch ungewöhnlichen Ideen zu Räumen, Materialien und Farben. Nach der eher langen Planungsphase von etwas mehr als zwei Jahren – legte man mit einer Bauzeit von nur 88 Tagen schließlich einen kleinen Rekord hin. Nach den umfangreichen Umbauarbeiten und einem neu verbauten Volumen von 11.000 Kubikmetern umfasst das Pfösl jetzt 24.000 Kubikmeter insgesamt. Belohnt wurden die Gastgeber nach dieser intensiven Bau-Zeit mit einer völlig neuen Optik des Hauses und inzwischen mit einer Vielzahl besonderer Auszeichnungen.
 

Es wurde abgetragen – erneuert – gestützt und verstärkt. Entstanden ist ein unvergleichlicher Rückzugsort mit heute 62 Zimmern und Suiten, die mit einer Größe zwischen 40 und 90 Quadratmetern sehr weitläufig und großzügig daherkommen.

Heute besteht das Gebäude-Ensemble aus dem Bestands-Hotel, dem denkmal-geschützten Stadel und mehreren Neubauten, die sich wie selbstverständlich an die bestehende Bausubstanz anfügen. Innen und außen erhielt das Haupthaus mit den neuen Dimensionen eine unverwechselbare Optik.

Die Planer erfüllten den Wunsch der Bauherren, das Haupthaus als Ursprung stärker zur Geltung kommen zu lassen. Dies gelang durch grundlegende Strukturveränderungen und nicht zuletzt durch die neue architektonische Form des Hauses. Das Hotel und das denkmalgeschützten Stallgebäude, das ebenfalls saniert wurde, bekommen durch die Neuausrichtung erst richtigen Bezug zueinander. Die besonderen Vorzüge des Altbestandes haben die Planer dabei sorgfältig herausgearbeitet. Herzstück als Grundlage für die Sanierung ist der alte denkmalgeschützte Bauernstadel. Er steht als als Spiegel für die neue Fassade dem Baubestand direkt gegenüber.
 

Einfach und linear

Ergänzend zu den bevorzugten Hölzern Zirbe, Lärche und Fichte kamen Beton, Holz, Glas und natürliche Putze als Baumaterialien zum Einsatz. Mit Vorliebe haben die Bauherrinnen in den Farben schwarz und weiß gestaltet. Im Haupthaus ist der Eingangsbereich mit Rezeption, Hotelbar, Panoramarestaurant und die Kamin-Lounge in einfachen linearen Strukturen gestaltet. Alle Zimmer im Haupthaus wurden neu mit Holzfußböden und Zirbenholz an den Wänden ausgestattet. Von Anfang an sehr beliebt bei den Gästen sind die drei neu gebauten Chalets am Waldrand. Die kompakten Häuser aus dem dunklem Holz der Fichte und Zirbe stehen auf Betonstützen, sie ordnen sich optisch in die Landschaftsstruktur ein und sind so fast nicht mehr sichtbar.

Fassade spannend und neu

Ein besonderer Hingucker ist diese dem Bestand vorgestellte Fassadenkonstruktion in Brettschichtholz Lärche. Realisiert wurde diese ungewöhnliche Fassade von den Holzbau-Experten der Firma LignoAlp, die sich auf die Ausführung anspruchsvoller Gebäude in Holzbauweise und Dach- und Fassadenkonstruktionen aus dem Naturmaterial spezialisiert haben. Die Fassadenkonstruktion bindet das Naturhotel neben dem Waldrand noch mehr in seine natürliche Umgebung aus heimischen Hölzern ein und verleiht dem gesamten Komplex eine besonders ungewöhnliche architektonische Form.
LignoAlp hat im Rahmen der Hotelerweiterung die Planung, den Abbund und die Montage der Fassadenkonstruktion und vertikalen Fassadenschalung in gebürsteter Lärche realisiert. Alle konstruktiven Teile der Fassade wurden mit besonderen Bearbeitungen versehen um die Dauerhaftigkeit der Strukturen zu gewährleisten.

Die Fassadenkonstruktion besteht gitterförmig aus verstärkenden schrägen Streben und horizontalen Riegeln in Brettschichtholz Lärche. Die eingesetzten Streben sind zum Teil durchlaufend – zum Teil unterbrochen. Die horizontalen Profile wurden auf den Deckenebenen und auf der Höhe der Balkonhandläufe positioniert.
 

Auszeichnungen Hotel Pfösl

Das Naturhotel Pfösl wurde für die gelungene Umsetzung des Konzepts mit dem Hotel & Design Award 2017 in der Kategorie „Hotel/Architektur international“ im April 2017 ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen folgten.

  • Hotel & Design Award 2017 in der Kategorie „Hotel/Architektur international“
  • the plan award 2018
  • archilovers best project 2017 und 2019
  • AIT award best interior and architecture 2018
  • AIT platform sonderpreis hotel architektur 2017
  • premio internazionale di architettura e design bar/ ristoranti/ hotel d`autore, AIT plattform hotel architektur
  • Häuser des Jahres 2020 – shortlistLondon international creative competition 2019 . shortlist
  • Bigsee wood award – Ljiubliana 2019
  • Premio in/architettura 2020

Bautafel


BAUVORHABEN
Energetische und optische Sanierung zum Niedrigenergiehaus-Standard
Umbau Gebäude Ensemble
Neubau dreier Waldchalets

BAUZEIT
Anfang März – Anfang Juni 2017

BAUHERREN
Brigitte und Eva Zelger und Daniel Mahlknecht
www.pfoesl.it

ARCHITEKTEN
Architekturbüro bergmeisterwolf
www.bergmeisterwolf.it

AUSFÜHRUNGSPLANUNG
hb engineering aus Lana
www.h-b.it

HOLZBAU
LignoAlp, Brixen und Deutschnofen
www.lignoalp.com

BAUAUFGABE HOLZBAU
Demontage der bestehenden Balkongeländer
Ausführungsplanung der neuen Fassade
Vorfertigung der neuen Fassade
Montage der Elemente

ZEITPLAN UND DETAILS FASSADEN-MONTAGE
Montagebeginn: 18.04.2017
Montageende: 05.05.2017 (Struktur der Fassade)
Montageende mit Schalungen (17.05.2017)
70 Kubikmeter Brettschichtholz Lärche
2700 kg Stahlteile (Winkel, Stabdübel, Stützen der Streben)