Buchneuerscheinung: Wachstum über Alles.

Wie der Journalismus zum Sprachrohr der Ökonomen wurde

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Wirtschaftsjournalismus auf dem Prüfstand

Warum gilt für viele Wirtschaftsjournalisten Wachstum immer noch als die Lösung aller Probleme? Ferdinand Knauß ist der Entstehungsgeschichte des Wachstumsparadigmas in der Wirtschaftspresse auf den Grund gegangen.

Kritik gilt zwar als vornehmste Pflicht des Journalismus. Doch wenn es um Wirtschaftspolitik geht, werden allenfalls die Mittel, aber fast nie der Zweck kritisiert: Es soll in jedem Jahr mehr erwirtschaftet werden als zuvor. Und die Politik hat die Bedingungen dafür zu schaffen, sonst gilt sie als gescheitert. Was in den Politik- und Wirtschaftsressorts wie eine ewige Selbstverständlichkeit präsentiert wird, ist tatsächlich ein Paradigma, eine historisch entstandene Konstellation bestimmter Werte und Überzeugungen. Wie und warum sich das Wachstumsparadigma im Wirtschaftsjournalismus ausbilden, festigen und bis heute halten konnte, zeigt der Historiker und Journalist Ferdinand Knauß in seinem am 7.7.2016 erscheinenden Buch »Wachstum über alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr der Ökonomen wurde«. Die Ursprünge der Symbiose von Ökonomen, Politikern und Wirtschaftsjournalisten – ermöglicht durch einen grundlegenden Wandel des ökonomischen Denkens – sind bis in die krisengeschüttelten 1920er Jahre zurückzuverfolgen. Der Durchbruch des Wachstumsparadigmas in der Wirtschaftspresse erfolgte dann in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten, wie Ferdinand Knauß anhand einer historischen Analyse der Zeit, des Spiegel und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigt. Seine These: Dem Wirtschaftsjournalismus fehlt bis heute die kritische Distanz zur Standard-Ökonomie. Wäre sie präsent, würde schnell offenbar, dass die Voraussetzungen für die Entstehung des Wachstumsparadigmas heute längst nicht mehr gelten.

Knauß' Untersuchung historischer und zeitgenössischer Artikel und zusätzliche exklusive Interviews mit renommierten Journalisten (z.B. Roland Tichy) zeigen, dass der Schlüssel zu einem kritische(re)n Wirtschaftsjournalismus in dessen Emanzipation von der Standard-Ökonomie liegt. Ferdinand Knauß, »Wachstum über Alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr der Ökonomen wurde«, 192 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-86581-822-5, 24,95 Euro / 25,70 (A). Auch als E-Book erhältlich.

Ferdinand Knauß ist Redakteur bei der WirtschaftsWoche. Er wuchs im Saarland auf und studierte Geschichte in Düsseldorf, Nantes und Tokio. Danach war er Redakteur beim Handelsblatt und Pressesprecher im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Buch »Wachstum über Alles« schrieb er als Fellow am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam.

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