DGNB: Gute Ansätze bei baurelevanten Themen

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Für die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.) enthält der am 24.11.2021 vorgestellte Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung viele gute Ansätze aufgrund der sektorübergreifenden Fokussierung auf die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Das mache sich nach Einschätzung der Non-Profit-Organisation auch bei den baurelevanten Themen positiv bemerkbar. Wichtig sei es, dass die Politik bei der Umsetzung ihrer Vorhaben im engen Schulterschluss mit den Experten aus der Praxis zusammenarbeite, um nicht unnötig Zeit zu verlieren.

"Dass der Begriff ‚Nachhaltig' in seinen unterschiedlichen Formen mehr als einhundertmal in dem Dokument auftaucht, ist zumindest schon mal ein kleines Indiz dafür, dass es die künftige Bundesregierung ernst meint mit ihren Ambitionen", sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. Vieles gehe in die richtige Richtung, etwa was die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren angeht.

Die angekündigte Stärkung von Klimaschutz, -anpassung und Gemeinwohlorientierung wird von der DGNB ebenso begrüßt wie die verstärkte Betrachtung von grauer Energie und Lebenszykluskosten. Bei dem angedachten digitalen Gebäuderessourcenpass wäre es wünschenswert, diesen nicht nur einzuführen, sondern gleich Maximalwerte vorzugeben, um die Lenkungsfunktion des Instruments in Richtung Klimaschutz zu nutzen.

"Endlich scheint es auch zu gelingen, den Fokus weg von der reinen Primärenergie- hin zur Emissionsbetrachtung zu bekommen", so Lemaitre. Hierzu kündigt der Koalitionsvertrag ein Förderprogramm für den Wohnungsneubau an, das insbesondere die Treibhausgasemissionen pro Quadratmeter Wohnfläche fokussiert. Positiv bewertet die DGNB auch die geplanten Anpassungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) mit der Stärkung der Innovationsklausel, die von der DGNB bereits Anfang 2020 nachdrücklich gefordert wurde. Auch die hervorgehobene Technologieoffenheit zur wirtschaftlich effizienten, sozialverträglichen Umsetzung der Klimaschutzziele unterstützt die DGNB ausdrücklich. Gleiches gilt für die Förderung von Quartierslösungen.

Mit den angekündigten Erleichterungen beim Markteintritt und bei Zulassungen für innovative Materialien, Technologien und Start-ups wird die neue Bundesregierung viele Unternehmen unterstützen, die sich auch bei der DGNB seit vielen Jahren für mehr Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft engagieren. In eine ähnliche Richtung geht das angekündigte Prinzip "Nachhaltigkeit by Design", das auch Bauproduktehersteller fördert, die sich den Grundsätzen einer Circular Economy verschrieben haben.

Eigenes Ministerium für Bauen und Wohnen als wichtiges Signal

Die im Koalitionsvertrag formulierte, breite und systematische Nutzung von Sanierungsfahrplänen wird von der DGNB ebenfalls begrüßt. Eine ähnliche Forderung hatte die DGNB im Sommer gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer und der Deutschen Umwelthilfe formuliert. Wünschenswert wäre es, diese im Sinne von Klimaschutzfahrplänen inhaltlich zu erweitern. Auch die Einführung eines verpflichtenden Emissions-Monitorings für den gesamten Gebäudebestand wäre an dieser Stelle ein wichtiger Hebel für noch mehr zielführenden Klimaschutz im Immobilienbereich. Hierzu ist im vorgestellten Vertrag lediglich die Prüfung eines digitalen Gebäudeenergiekatasters vorgesehen. Ein solches Monitoring verbunden mit einem gebäudeindividuellen Klimaschutzfahrplan könnte mehr Anreize für einen klimaneutralen Gebäudebetrieb setzen. Außerdem ließe sich damit nach Einschätzung der DGNB passgenauer bestimmen, welche Kapazitäten notwendig sind, um den Gebäudebestand in Deutschland systematisch und wirtschaftlich sinnvoll in die Klimaneutralität zu führen.

Jetzt wird es spannend sein zu sehen, ob das neue Ministerium auch tatsächlich die notwendige Kraft bekommt und die relevanten Entscheidungsbefugnisse bei sich bündeln kann. Entscheidend wird zudem die Frage, ob eine enge, zielgerichtete Zusammenarbeit mit dem neuen Ministerium für Wirtschaft und Klima gelingt. Schließlich sind die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit ja Querschnittsthemen über Sektorgrenzen hinweg", erklärt Lemaitre.

Eher kritisch sieht die DGNB den pauschalen Plan, 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Schließlich gehe es darum, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dies sei unter anderem auch über die umfassendere Ertüchtigung des Bestands und eine Entbürokratisierung von möglichen, damit verbundenen Nutzungsänderungen in Teilen erreichbar. "Hier sollte die neue Bundesregierung aufpassen, dass ihr Engagement nicht sozial wie auch klimapolitisch kontraproduktiv wird", meint Lemaitre.

Letztlich unterstützt die DGNB das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel, Europa zu einem Kontinent des nachhaltigen Fortschritts zu machen und durch europäische Standards Maßstäbe für globale Regelwerke zu setzen.

Künftige Bundesregierung sollte zwingend auf vorhandene Expertise zurückgreifen

Natürlich müsse sich die kommende Bundesregierung in der Praxis erst beweisen, und es wird sich zeigen, wieviel Ambition nachher den Weg in die Umsetzung findet. "Doch anstatt sich in Details zu verrennen und präventiv alles zu zerreden, sollten wir das Momentum nutzen", sagt Lemaitre. Dabei werde es wichtig sein, dass die Koalition auf vorhandenes Wissen zurückgreift und sich vor einer zu starken Einflussnahme aus Lobbyismus-Kreisen schütze. Zudem komme es auf die Umsetzungsgeschwindigkeit der angedachten Maßnahmen an.

"Wir haben rund um Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Gebäudebereich nicht die Zeit, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Gerade wenn man so viele neue Themen aufruft, wie es die Koalition hier macht, ist es entscheidend, auf bestehendes Expertenwissen zurückzugreifen und es gemeinsam in die breite Anwendung zu bringen."

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