Generationen-WG auf KLB-Leichtbeton gegründet

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Andreas Krechting

Objekte
Sowohl sozial als auch energetisch ist das Wohnprojekt „La Compostella“ in Neuwied vorbildlich. Entstanden als Idee unter Freunden nimmt das gemeinschaftliche Lebensmodell nun Formen an. 15 Menschen haben sich hier zusammengefunden, um gemeinsam ihre Wohnzukunft zu gestalten. Herausgekommen sind dabei auf über 5.500 Quadratmetern – in Eigenregie erdacht und finanziert – ein Doppelhaus sowie vier Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäuser. Insgesamt 15 Wohneinheiten umfasst das Objekt damit.

Wenn aus Ideen Häuser wachsen

Im rheinland-pfälzischen Neuwied hat sich eine Gruppe zusammengeschlossen, die aktiv gegen Vereinsamung vorgehen möchte: Mit der Umsetzung des Projektes „La Compostella“ entsteht hier ein in Eigenregie und Selbstbestimmung geplantes Wohngelände, das Raum für Gemeinschaftlichkeit und zwischenmenschliche Nähe bieten soll. Entstanden ist die Idee zu dem Wohnprojekt bei einem Spieleabend unter Freunden. „Herumgesponnen haben wir an der Idee bereits vor 15 Jahren“, erinnert sich Ludger Kamp, eines der „Gründungsmitglieder“ von „La Compostella“. „Mitte 2011 haben wir dann begonnen, uns konkreter mit der Umsetzung zu befassen.“

Voraussetzungen erfüllt

Bevor der Startschuss für das Projekt fallen konnte, waren aber noch einige Hürden zu meistern: Zunächst musste natürlich ein geeignetes Grundstück her. Es galt eine Fläche aufzutun, die ausreichend Platz bot, in einem natürlich gewachsenen Wohngebiet und gleichzeitig naturnah gelegen war. Fündig wurde die Gruppe schließlich im Neuwieder Ortsteil Segendorf: Das ehemalige Firmengelände der Hechtmann GmbH – einem Fertigungsbetrieb für Faltschachteln – direkt gegenüber der Wied bot nicht nur ausreichend Raum, sondern zudem einen Blick ins Grüne. Die alten Produktionsgebäude mussten größtenteils weichen, um eine möglichst flexible Neuplanung zu ermöglichen.

Die Finanzierung des Projektes war von Anfang an ohne Investor geplant. Jeder zukünftige Bewohner von „La Compostella“ sollte gleichzeitig auch Miteigentümer sein. So fiel schließlich die Entscheidung zu Gunsten einer privaten Finanzierung mit KfW-Förderung. Im Neuwieder Architekten Stefan Schäfer war schließlich auch der richtige Planer für die Umsetzung dieser Aufgabe gefunden. Sein Entwurf von vier Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäusern sowie einem Doppelhaus auf dem Gelände, fand bei den Mitgliedern Anklang. So konnte man schließlich in die konkrete Planungs- und Bauphase übergehen. Nach Abriss des größten Teils der alten Firmengebäude im Jahr 2015 standen hierfür 5.500 Quadratmeter zur Verfügung.

Gemeinsam individuell

In „La Compostella“ sollte sich jeder nach seinem Geschmack verwirklichen können – kein gleichförmiges Retortenwohnen war gewünscht – sondern Gemeinschaft, wo sie gewollt und Individualität, wo sie gebraucht wird. So entstehen im finalen Grundriss 15 Wohneinheiten, aufgeteilt auf insgesamt vier verschiedene Gebäudetypen:

vier Einfamilienhäuser, ein Gemeinschaftshaus sowie ein Doppel- und ein Vierparteienhaus. Das große Gemeinschaftshaus beherbergt in dieser Planung neben fünf Wohneinheiten auch den Gruppenraum mit angeschlossener Küche und Sanitäranlagen. Dieser kann für verschiedenste Aktivitäten – vom Spieleabend bis zum Familienfest – genutzt werden. Im Keller des Gebäudes, der noch ein Überbleibsel der früheren Gewerbegebäude ist, befinden sich künftig das Büro der Wohngemeinschaft sowie ein Kreativraum, ein Fitnessraum und ein Werkraum.

„Kein Styropor an den Wänden“

Während für den Bau des Gemeinschaftshauses noch Keller und Grundstrukturen der früheren Gewerbeanlagen genutzt wurden, handelt es sich bei den weiteren Gebäuden auf dem Gelände um komplette Neubauten. So wurden etwa die vier Einfamilienhäuser allesamt aus dämmstoffgefülltem KLB-Leichtbetonmauerwerk erstellt. Wichtig war den Bauherren von „La Compostella“, dass die Gebäude eine möglichst wohngesunde und natürliche Gebäudehülle bekommen sollten. „Wir wollten kein Styropor an den Wänden, um die nötige Dämmung zu gewährleisten“, erläutert Kamp.

Auch aus diesem Grund waren die Planblöcke „KLB-SK09“ des regionalen Herstellers KLB Klimaleichtblock (Andernach) eine gute Wahl. Mit ihrer mineralischen Dämmstofffüllung erreichen diese einen Wärmeleitwert von 0,09 W/mK. In Neuwied wurden die Steine in einer Dicke von 36,5 Zentimetern verbaut. Versehen sind sie mit einem mittig in Wandrichtung verlaufenden Dämmstoffsteckling und jeweils drei zur Wandinnen- wie auch -außenseite angeordnete Schlitzreihen. Die Basis bildet dabei der natürliche Rohstoff Bims. Dieser wird direkt in der Gegend um Neuwied – dem sogenannten Neuwiederbecken – abgebaut und vor Ort in den KLB-Leichtbetonwerken verarbeitet. Transport- und Lieferwege zum „La Compostella“-Gelände waren damit denkbar kurz. Die vielen Lufteinschlüsse, die der Zuschlag des Bimses verursacht, sorgen dafür, dass Leichtbeton bereits von Grund auf gute Wärmedämmfähigkeiten besitzt. Dank des zusätzlichen Dämmstoffkernes wurden damit bei „La Compostella“ Außenwände mit einem niedrigen U-Wert von 0,23 W/(m²K) realisiert.

Doch nicht nur bei den Wandbaustoffen wurde auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz geachtet: So werden sämtliche Gebäude auf dem Gelände mittels einer Holzpelletheizung in Kombination mit einer Solarthermieanlage beheizt.

Bei ausreichend Sonnenschein wird die benötigte Heizenergie komplett über die Solaranlage auf den Gebäudedächern generiert. Ist diese Energiequelle nicht ausreichend, wird automatisch die Pelletanlage zugeschaltet. Hierfür sind zwei Heizkessel im Keller des Gemeinschaftsgebäudes untergebracht. Diese werden alternierend betrieben. Die Befüllung erfolgt dabei automatisch über eine Förderschnecke, welche die Holzpellets direkt aus dem angrenzenden 30 Kubikmeter großen Pelletlager zuführt. Mit einem Jahresheizwärmebedarf der Wohnhäuser von je 38,42 kWh/m²a gehen hier die durchdachte Gebäudehülle und das fortschrittliche Heizkonzept – und damit Planung- und Nutzungsphase – nahtlos ineinander über.

Gemeinschaft gemeinschaftlich planen

Neben Heizanlage und Gemeinschaftsräumen, teilen sich die Bewohner von „La Compostella“ künftig auch die Grünfläche, welche die verschiedenen Gebäudetypen nach Fertigstellung der letzten Baumaßnahmen verbinden soll.

 Eine große Rasenfläche im Zentrum des Wohnprojektes wird dann gemeinsam genutzt. Hier können beispielsweise Nachbarschaftsfeste oder Familienfeiern abgehalten werden. Der erste Osterbrunch mit Besuch von Kindern und Enkeln fand bereits im Frühjahr 2019 statt. „Wir stellen uns ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Distanz und Nähe vor“, erläutert Ludger Kamp. „Jeder soll hier unabhängig leben können, aber im Bedarfsfall auch Unterstützung finden.“

Zusätzlich zur gemeinsamen Grünfläche verfügt der überwiegende Teil der Wohneinheiten außerdem über eigene kleine Gartenparzellen. Auf diese Weise wird den Mitgliedern ihr individueller Rückzugsort gewährleistet – denn auch die Möglichkeit sich zurück zu ziehen, gehört zu einer funktionierenden Gemeinschaft. Um diese gesunde Mischung aus Zusammenhalt und Eigenständigkeit zu gewährleisten, ist „La Compostella“ bewusst als Wohneigentum angelegt. Jede Partei finanziert ihren Teil selbst. Und jede Partei hatte ein Mitspracherecht bei der Planung und eine Aufgabe bei der Organisation. Das geht auch seit Fertigstellung des letzten Gebäudes im Sommer 2020 so weiter. Gelebte Gemeinschaft also!

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