Wohnungsbaugesellschaft Oranienburg setzt auf Konzept der Energieautarkie

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Die Oranienburger Wohnungsbaugesellschaft WOBA setzt auf energetische Unabhängigkeit und realisiert zwei energieautarke Mehrfamilienhäuser. Am Rand des Richtfestes im August 2020 stand Geschäftsführer Bernd Jarczewski Rede und Antwort zum Projekt und den Planungen.

„Wir bauen für die Zukunft“

WOBA-Geschäftsführer Bernd Jarczewski erläutert im Interview seine Sicht auf die Zukunft des Bauens, schildert erste Erfahrungen mit dem Konzept der Energieautarkie und zeigt die Vorteile einer Energieflatrate für Mieter und Vermieter auf.

Herr Jarczewski, Zinsniveau und Energiekosten bewegen sich auf historisch niedrigen Niveaus. Zugleich kennen die Baukosten seit Jahren nur eine Richtung. Warum bauen Sie nicht konventionell?

B. Jarczewski: Weil das eine kurzfristige Betrachtung wäre. Deutschland steigt - zu Recht - aus Kohleverstromung und Atomenergie aus, andere fossile Energieträger sind endlich. Die Kosten für Strom und Wärme müssen also mittelfristig steigen. Die Zukunft liegt in den Erneuerbaren Energien, das heißt Sonne und Wind. Da ist es doch naheliegend, gleich auf Gebäude zu setzen, die ihren Energiebedarf zu großen Teilen selbst erzeugen.

Im Einfamilienhausbereich ist das ja inzwischen nicht mehr ungewöhnlich…

B. Jarczewski: Umso wichtiger ist es, das Konzept auf den Mehrfamilienhausbereich auszuweiten. Er macht schließlich einen bedeutenden Teil des Gebäudebestands in Deutschland aus.

Welche Wohnsituation haben Sie denn vor Ort?

B. Jarczewski: Oranienburg liegt nur wenige Kilometer von Berlins Stadtgrenze entfernt, hier endet die S-Bahn, außerdem sind wir mit Zug, Autobahn und Bundesstraße hervorragend angebunden. Insofern gehören wir zu den wachsenden Gemeinden im Umland der Hauptstadt und der Bedarf an Wohnraum für alle Einkommensklassen nimmt zu. Als WOBA sind wir mit etwa 3.700 Wohneinheiten im Bestand der größte Vermieter vor Ort. Und seit fünf Jahren bauen wir auch wieder, das größte Neubauprojekt hat aktuell 200 Wohneinheiten.

Und wie kam es zu den energieautarken Mehrfamilienhäusern?

B. Jarczewski: Das Thema treibt mich schon seit Jahren um. Aufmerksam gemacht hat uns das Projekt der eg Wohnen in Cottbus. Wir haben dann den Kontakt zum Autarkie-Team um Prof. Timo Leukefeld gesucht und uns beraten lassen. Unabhängig vom technischen Konzept hat das Modell der Energieflatrate ja auch Charme für uns Vermieter.

Bitte erläutern Sie das.

B. Jarczewski: Die umlegbaren Betriebskosten sind für jeden Vermieter nur ein durchlaufender Posten. Das heißt, zum Unternehmensergebnis tragen sie nichts bei. Aber in jeden Streit zwischen Nutzer und Energieversorger sind Sie eingebunden. Dazu der Aufwand und die Kosten für Zähler und Ablesung. Und die Mieter sind froh, wenn sie Kostensicherheit haben.

Wie liefen die Planungsgespräche?

B. Jarczewski: Wir sind von der Zusammenarbeit mit dem Team und dem Generalunternehmer Helma Eigenheimbau AG sehr angetan. Man merkt, dass die Projektpartner schon sehr lange zusammenarbeiten. Das ist wichtig, schließlich geht es hier nicht um ein Haus „von der Stange“. Von Anfang an gab es ein durchdachtes Konzept, mit dem Energetischen Kompass einen verlässlichen Fahrplan und sehr schnelle Reaktionen auf unsere Änderungswünsche. Gegenüber Aufsichtsrat und Vertretern der Stadt wurde umfassend und transparent kommuniziert.

Und die Bauphase?

B. Jarczewski: Corona bedingt sind wir im Zeitplan etwas zurück, die Genehmigungen haben länger gedauert als üblich. Auf eine zünftige Taufe der beiden Langezeitspeicher Wobbi 1 und Wobbi 2 mussten wir mitten im Lockdown leider verzichten, das war schon schade.

Gibt es sonst Probleme?

B. Jarczewski: Was den Bau angeht, eigentlich nicht. Der Zeitplan ist natürlich ambitioniert, damit die Mieter pünktlich im nächsten Sommer einziehen können, aber da bin ich optimistisch. Das Interesse in der Stadt ist jedenfalls jetzt schon groß.

Politisch brauchen wir unbedingt eine Klärung dafür, was die Nutzung von überschüssigem Strom angeht. Unsere Gebäude sind für einen Autarkiegrad von 65 bis 70 Prozent ausgelegt. Rechnerisch wird es im Jahr Phasen geben, in denen wir mehr Strom produzieren, als wir verbrauchen bzw. speichern können. Dummerweise sind uns als Vermieter aktuell die Hände gebunden, was eine sinnvolle Nutzung des Überschusses angeht. Für den Fall, dass wir ins Netz einspeisen oder benachbarte Gebäude versorgen, droht die Gefahr, dass die erweiterte Kürzung der Gewerbesteuer verloren geht, weil die WOBA als Stromhändler veranlagt werden könnte. Das ist natürlich kontraproduktiv für jeden kommunalen Vermieter. Wenn die Energiewende ein Erfolg werden soll, ist der Gesetzgeber hier dringend gefordert.

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