Editorial

Deutsches Ingenieurblatt 5/2021
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
auf der Baustelle ist es ruhig, seit im vergangenen Herbst die letzten Bagger und Radlader abgerückt sind. Ein tiefes und großes Loch gähnt an der Straßenseite des ca. 3000 Quadratmeter großen Grundstücks. Bis zum Oktober stand dort noch eine weiße Jugendstilvilla, die um das Jahr 1900 erbaut wurde. Sie war stimmiger Teil eines Viertels, in dem alle Gebäude zwischen 1890 und 1920 auf großen Grundstücken mit alten Bäumen entstanden sind und heute viele Bewohner beherbergen. Ein Stadtteil, der an sonnigen Nachmittagen zahlreiche Besucher anlockt. Wird hier ein Gebäude veräußert, stellen sich die Käufer auf hohe Sanierungskosten ein, in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und der Denkmalpflege. Häufig schlagen die Denkmalgerechte und energetische Sanierung sowie An- und Umbauten den Kaufpreis um Längen. Doch das hält die Wenigsten davon ab, diesen Kleinoden eine neue Bestimmung zu geben. Ein Abriss kam bislang nur in zwei Fällen vor – obwohl die Immobilien in keinem schlechteren Zustand waren als die anderen Gebäude in der Umgebung. An ihrer Stelle stehen jetzt zwei eher funktional anmutende Bauwerke. Sie fallen sofort ins Auge, da sie sich unharmonisch in das Gesamtbild einfügen. „Hässlich“, lautet unisono das harte Urteil der Nachbarn und der Spaziergänger. Da wo andere schon bei der Farbe der Fensterrahmenlackierungen beim Denkmalamt gegen Mauern rennen, setzte der Abriss ganz neue Maßstäbe. Nun ist also ein weiteres historisches Gebäude verschwunden. Gut möglich, dass auch hier demnächst eine zweckmäßige Lösung die Lücke schließt.

Es ist nachvollziehbar, dass in Zeiten von Wohnraumknappheit und dem Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum gerade in den Innenstädten ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität erforderlich ist. Und ja, nicht jedes historische Gebäude ist auch gleichzeitig schützens- und erhaltenswert. Alter rechtfertigt nicht, auf dringend benötigten Wohnraum zu verzichten. Insbesondere, wenn in manchen Gegenden die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung mit ausreichend Platz für eine ganze Familie zu einer zähen und Jahre dauernden Herausforderung wird. Raus aufs Land ist eben nicht für alle eine Option.

Dennoch zeigen zahlreiche gelungene Beispiele, wie ein vorsichtiger Eingriff in die Gebäudestruktur oder Anbauten, die sich zu einem harmonischen Gesamtbild fügen, selbst auf begrenztem Raum neuen Platz schaffen. Es entspricht größtenteils unserem kulturellen Verständnis, Vergangenheit und Moderne zu gleichen Teilen im Gebäudebestand ihre Daseinsberechtigung einzuräumen. Über Geschmack und Gestaltung lässt sich trefflich streiten – wo mancher in nostalgischer Betrachtung schneeweißer Villen ins Schwärmen gerät, präferieren andere klare Formen, nachhaltige Materialien, nüchterne Funktionalität. Wir haben nur begrenzten Platz und begrenzte Ressourcen an Baustoffen – und für den überwiegenden Teil der Menschheit auf diesem Planeten bleiben unsere Lebensverhältnisse eine Utopie, wie ein Artikel in dieser Ausgabe eindringlich aufzeigt. Abriss und Neubau oder Sanieren und Bauen im Bestand müssen heutzutage – unabhängig von gestalterischen Aspekten – daher auch immer unter dem Aspekt des Ressourcenverbrauchs, der Emissionsfreisetzung und der Nachhaltigkeit bewertet werden. Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Überflüssiger Verbrauch und reine Verschwendung hingegen lassen sich eindeutig berechnen und sollten, wenn möglich, verhindert werden.

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