Schülerwettbewerb geht mit Rekordbeteiligung ins Finale

Erstmalig belegen zwei Mädchenteams die ersten Plätze

Deutsches Ingenieurblatt 7/8 2018
6.630 Schülerinnen und Schüler aus zwölf Bundesländern, 2.459 eingereichte Modelle und insgesamt 50.000 investierte Arbeitsstunden – das sind die beeindruckenden Zahlen, die hinter Deutschlands größtem Ingenieurnachwuchswettbewerb stehen. Am meisten beeindruckt haben aber wieder die kreativen und durchdachten Leistungen, die die Teilnehmer in den vergangenen Monaten erbracht hatten. Am 8. Juni 2018 wurden im Berliner Technikmuseum die Sieger des diesjährigen Schülerwettbewerbs Junior.ING der Ingenieurkammern in einer besonderen Veranstaltung ausgezeichnet. Die beiden ersten Plätz belegten in diesem Jahr Modelle aus dem Saarland und aus Nordrhein-Westfalen – und beide Sieger-Teams sind weiblich.

Es war ein strahlend schöner Tag, dieserFreitag, der 8. Juni 2018. Im Veranstaltungsraum des Deutschen Technikmuseums, der für die Verleih feier vorgesehen war, herrschte großer Andrang. Schüler, Eltern, Lehrer und viele Vertreter der Ingenieurkammern waren der Einladung der Bundesingenieurkammer gefolgt, um die diesjährigen Preisträger des Schülerwettbewerbs auszuzeichnen.

„Brücken verbinden“ war das Motto in diesem Jahr. Mädchen und Jungen aus fast dem ganzen Bundesgebiet waren aufgefordert, eine Brücke aus Papier nach ingenieurtechnischen Kriterien zu bauen. Die große Resonanz hatte selbst die Ausrichter überrascht.

„Das ist ein absoluter Rekord!“, freute sich der Vizepräsident der Bundesingenieurkammer, Dipl.-Ing. Ingolf Kluge, in seiner Begrüßung. Er vertrete die Ingenieurszunft und somit alle Kollegen, die dazu beitragen, dass Bauwerke im Speziellen und Brücken im Besonderen tragfähig und gebrauchstauglich sind.

„Wie Ihr sicher bei der Konstruktion der Brücke gemerkt habt, ist es gar nicht so einfach, eine Brücke standsicher zu machen. Schließich soll sie nicht nur sich selbst tragen, sondern auch noch einem Belastungstest standhalten“, richtete er das Wort an die Schüler. „Und sie muss auch funktionstüchtig sein. Was nützt es, wenn das Material zwar tragfähig ist, die Brücke sich aber sehr weit durchbiegt – dann wäre sie nicht mehr nutzbar. Das alles können Ingenieureberechnen, erklärte Kluge. Und dass die Schüler die Probleme während der Konstruktionhöchstwahrscheinlich weniger mit dem Rechner, sondern eher iterativ gelöst hätten. 

„Was Euch mit den Ingenieuren gleichstellt, ist die Tatsache, dass Ihr Euer Gehirn eingeschaltet habt. Denn auf Knopfdruck am Rechner ist auch in der Realität noch kein Bauwerk entstanden.“

Aufgabe des Ingenieurs sei, die gestellte Aufgabe umzusetzen und das Problem mit Hilfe der eigenen Fähigkeiten zu lösen. So etwas könne man natürlich studieren. Und aus diesem Grund werben die beteiligten Ingenieurkammern mit dem jährlich stattfindenden Schülerwettbewerb für das Faszinierende, das Spannende, das in der Regel nie langweilig Werdende am Ingenieurberuf.

Kluge erinnerte auch daran, in wie vielen Alltagsdingen Ingenieurleistungen stecken: „Dass Eure Handys hier funktionieren, dass hier trotz der Menge an Personen ein gutes Klima herrscht, dass da draußen im Normalfall der Verkehr geregelt fließt, dass der Strom aus der Steckdose kommt – überall ist das Funktionieren mit Ingenieurleistungen verbunden. Und deshalb gibt es schon seit längerem bei den Ingenieurkammern den Slogan „Kein Ding ohne Ing“. Ihr dürft Euch heute und schon die ganze Zeit während des Wettbewerbs als Ingenieure fühlen.“

Der Vizepräsident der Bundesingenieurkammer lobte auch die Vielfalt der Modelle und die verschiedenen Ideen,die dahinter stecken.

Dieser Aussage schloss sich auch Prof. Dirk Böndel an. Der Direktor des Deutschen Technikmuseums Berlin fand die Modelle so beeindruckend, dass ihm spontan die Idee zu einer kleinen Sonderausstellung aus den Brückenmodellen der Schüler kam. „Ich finde es ganz toll, dass sich junge Menschen so für die Ingenieurwissenschaften begeistern“, lobte Böndel.

„Wir wissen alle, dass wir in Deutschland ein starkes Defizit an jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren haben. Und wenn wir Deutschland als Industriestandort, als Innovationsstandort weiterhin an der Spitze sehen wollen, dann brauchen wir Euch, dann brauchen wir Euer Können, Euer Wissen und Eure Begeisterung, die dazu führt, in recht jungem Alter schon so tolle Sachen zu konstruieren.“

Bevor die Schüler ihre Preise in Empfang nehmen konnten, mussten sie aber noch etwas Geduld mitbringen. Prof. Dr.-Ing.Christoph Gehlen hielt eine kleine Schnuppervorlesung, und unterstrich mit seinen Ausführungen zur Brückenbautheorie, dass die Schüler in der Praxis schon sehr viel umgesetzt hatten, was man später auch im Studium lernt. Für die Jury, die sich aus erfahrenen Ingenieuren und auch prominenten Brückenbauern zusammensetzte, war die Aufgabe in diesem Jahr nicht leicht.

Der BauingenieurProf. Dr.-Ing. Hans Georg Reinke, Janine Andrä von der Nachwuchsgewinnung Deutsche Bahn, Niklas Nitzschke als Vertreter der Bundesstiftung Baukultur, die Architektin Tanja Sprang sowie die Bauingenieure Marion Pristl und Prof. Mike Schlaich hatten während der Jurysitzungen immer wieder stark um die beste Lösung gerungen.

Das berichtete Marion Pristl während der Verleih feier. „Es war wie bei einem richtigen Planungs wettbewerb. Die Modelle waren sehr realistisch geplant, bei den meisten sieht man auch den richtigen Tragverlauf.“ Und sie lobte:„Die Detailtreue war fantastisch.“

Um die Zukunft des Nachwuchses ginges auch Dipl.-Ing. Ellen Petersson, Deutsche Bahn AG, Projektmanagerin OPEX im Ressort Digitalisierung & Technik: „Mit dem Sonderpreis,den die Deutsche Bahn dieses Jahr zum fünften Mal verleiht, möchten wir die Technikbegeisterung junger Mädchen fördern und sie dazu ermutigen, diese Begeisterung in ihrem zukünftigen Berufsleben – zum Beispiel als Ingenieurin – auszuleben.“ Und sie überreichte dem sichtbar stolzen Mädchenteam vom Willy-Brandt-Gymnasium in Oer-Erkenschwick (Nordrhein-Westfalen) für ihre Brücke „Around music“ den Sonderpreis der Deutschen Bahn. Dasselbe Team, bestehend aus Tharmika Sivayogarajah, Sila Sali, Clara Könen, Tia Demski und Hermine Frerichs, wurde im Laufe des Tages auch noch mit dem mit 500 € dotierten 1. Platz in der Alterskategorie I (bis Klasse 8) ausgezeichnet.

Die Jurylobte die „in ingenieurmäßiger und gestalterischer Hinsicht ausgezeichnete Lösung“ der gestellten Aufgabe durch die Schülerinnen.

„Der Hinweis auf die verbindende Wirkung der Musik wirkt nicht aufgesetzt, sondern als integraler Bestandteil des Entwurfs“, heißt es in der Laudatio. Daher wählte die Jury „ die ganz hervorragende Arbeit“ einstimmig zur Sieger-Brücke dieser Altersklasse.

Ca. 50 Zeitstunden hatte das Team in ihr Projekt investiert, das Modell wiegt 370 g. Die begeisternde Idee der jungen Entwerfer war es, das Tragwerk der Fuß- und Radwegbrücke abweichend von klassischen Fachwerkbrücken mittels schräg gestellter Ringe zu konstruieren. Die Gehwegebene ist dabei wie eine Klaviertastatur gestaltet. Außerdem erfüllt sie auch die erforderliche Tragfunktion. Maßgeblicher Entwurfsgedanke ist: Nicht nur Brücken verbinden, sondern auch Musik!

Die Ringe sollen Verbundenheit durch die Brücke bzw. die Musik symbolisieren. Es handelt sich um eine Fachwerkskonstruktion,die aus Hohlprofilen hergestellt wurde. Die Diagonalen sind hierbei als Ring ausgebildet und mit Hohlkastenquerschnitt geplant. Die Verbindungen der einzelnen Hohlkastenquerschnitte wurden mit durchgesteckten Papier-Fahnen erstellt. Die Kontaktflächen wurden jeweils geklebt.

Der 1. Platz in der Alterskategorie II (ab Klasse 9) ging an Mira Schwaiger vom Ludwigs gymnasium,Saarbrücken (Saarland) und Teresa Betz von der Freien Waldorfschule, Altenkessel (Saarland) für die Brücke: „Swing“, in die Erstellung wurden ca.27 Zeitstunden investiert.

Die Brücke hält 1 kg. Die beiden Nachwuchsingenieurinnen erläuterten ihren Entwurfsprozess so: „Nach Anfertigung vieler Skizzen haben wir uns für die Bogenbrücke entschieden.“ Gefolgt von der Entscheidung über ein geeignetes Tragwerk. „Um ein geringes Gewicht mit einer hohen Stabilität zu erhalten, haben wir mit verschiedenen Falt techniken experimentiert.Der dünne Laufsteg wird durch den Bogen gespannt und kann so das Gewicht gut tragen.“Der Modellbau des Faltwerkbogens war nicht ganz einfach! So berichteten die Mädchen von „Schwierigkeiten, das Papier im richtigen Winkel zu falten, sodass wir die vorgegebene Spannweite einhalten konnten.“

Die Jury befand, dass ihnen das Modell „ganz hervorragend“ gelungen sei. Trotz der Leichtigkeit des Entwurfs konnte die geforderte Prüflast einwandfrei abgetragen werden. Und sie schrieb in ihrer Bewertung: Der vorliegende, sehr originelle Entwurf einer Brücke mit einem Faltwerksbogen löst die Aufgabe Fuß- und Radwegbrücke ganz hervorragend. Der Faltwerksbogen besitzt trotz minimalem Materialaufwand genügend Steifigkeit und ausreichende Stabilität. Gleichzeitig entstehen durch das gewählte Tragwerk eine beeindruckende Gestaltung und eine angenehm schützen schützende Dachwirkung für die Nutzer des Bauwerks.

Der Modellbau der Brücke erfüllt alle Anforderungen an eine ausgezeichnete und preiswürdige Arbeit.

Alle Bilder und Eindrücke rund um den diesjährigen Schülerwettbewerb stehen im Netz unter www.bingk.de. Das Motto des kommenden Schülerwettbewerbs für das Schuljahr 2018/2019 lautet: Achterbahn –schwungvoll konstruiert.

Anmeldeschluss ist der 30. November 2018. Alle Informationen unter www.junioring.ingenieure.de

Anzeige

Jetzt HDI Ingletter lesen!

HDI_INGLetter_Mai_2022_HB.png
HDI_INGLetter_Mai_2022_DB1.png

Die Haftung von Architekten...
In­ge­nieu­ren und Bau­un­ter­neh­mern für Drit­te und Em­bar­gos
Durch bei­spiels­weise Em­bar­gos bzw. San­ktio­nen also mit­tel­bar­en Ein­grif­fen durch den Staat, die EU oder an­de­re sup­ra­na­tio­na­le In­sti­tu­tio­nen als Drit­tem in das Bau­vor­ha­ben während der Pla­nungs- oder Aus­führ­ungs­pha­se kann es zu Haft­ungs­fra­gen kom­men. In diesem Zu­sam­men­hang sol­len Fra­gen zur Haf­tung des Bau­plan­ers und eine mö­gli­che Haf­tung des Bau­un­ter­nehm­ers näh­er be­leuch­tet wer­den.

 
HDI_INGLetter_Mai_2022_DB2.png

Datenschutz...
im digitalen Zeitalter

Die Er­fas­sung und Spei­che­rung von Kun­den­da­ten, die Ver­sen­dung von E-Mails, die Nut­zung di­gi­ta­ler Ar­beits­met­ho­den wie Buil­ding-In­for­ma­tions-Mode­ling (BIM) und Droh­nen, die Durch­füh­rung von Web-Mee­tings und Home-Of­fi­ce ge­hö­ren zur täg­li­chen Ar­beit. Da­mit sind zwangs­läu­fig auch Haft­ungs­ri­si­ken ver­bun­den, die zu Da­ten­ver­än­de­run­gen oder Da­ten­be­hin­der­un­gen bei Drit­ten führ­en.

 

Anzeige

va-Q-tec entwickelt Produkte auf Basis von Vakuumisolationspaneelen (VIPs), die eine hohe Isolierwirkung, enorm reduzierte Dammstärke und einen modularen Aufbau für verschiedene Größen und Formen bieten.

Sie sind besonders vorteilhaft, wenn nur wenig Platz für Dämmung zur Verfügung steht.

Ob bei der Dämmung von Dächern, Böden oder Balkonen sowie weiteren Innen- und Außendämmungen: Architekten und Planer können mit VIPs rund 80 % des Platzes einsparen.

Mehr Informationen auf va-q-tec.com

Ähnliche Beiträge