Holz im Geschosswohnungsbau

green BUILDING 04/2018 (#86)
Vielfältig, dauerhaft, nachwachsend: Der Baustoff Holz zeigt sich immer häufiger auch beim Geschosswohnungsbau von seinen besten Seiten. Gründe dafür sind eine Veränderung im deutschen Baurecht – und Hersteller, die mit innovativen Produkten anspruchsvolle Holzarchitektur möglich machen.

Mit den beiden kürzlich fertiggestellten viergeschossigen Mehrfamilienwohnhäusern im Lauchringer Riedpark – nahezu ausschließlich mit Lignotrend-Bauteilen konstruiert und mit einem ökologischen Wärmedämmverbundsystem der Firma Gutex ausgestattet – zeigen die beiden Schwarzwälder Unternehmen einmal mehr, was in der modernen Holzbauarchitektur möglich ist. Federführend in der Planung ist der ortsansässige Architekt Jörg Kaiser. Als Bauteilentwickler löst Lignotrend mit seinen durchdachten und geprüften Details den baulichen Brandschutz für die hochfeuerhemmende Konstruktion jetzt auch mit sichtbar bleibenden Holzoberflächen.    

Dass Holzbauweisen zunehmend Einzug in den Geschosswohnungsbau halten, ist einer Reihe von Veränderungen im deutschen Baurecht zu verdanken, welche die Umsetzung zeitgemäßer Brandschutzkonzepte mit nachwachsenden Rohstoffen grundsätzlich ermöglichen. 2015 hat sich die LBO in Baden-Württemberg als erstem Bundesland vom sogenannten „Kapselkriterium“ für die Gebäudeklassen 4 und 5 im Holzbau verabschiedet. Andere Länder ziehen bereits nach. Wenn ein entsprechender alternativer Nachweis geführt wird, kann seither auf die allseitige brandschutztechnisch wirksame Bekleidung tragender und aussteifender Wände sowie Stützen aus Holz mit nicht brennbaren Baustoffen verzichtet werden. Das bedeutet, dass es auch bei Wohngebäuden bis zu 13 Metern Höhe möglich ist, Lignotrend-Brettsperrholzkomponenten mit ihrer besonderen Sichtqualität und den effektiven Akustikprofilen zu verwenden. Mit ihren außerordentlichen Schallschutzqualitäten sind Ligno-Decken ohnehin prädestiniert für den Geschossbau. Fachlich einwandfrei geplante und ausgeführte Objekte mit modernem Erscheinungsbild fördern den Trend zu „Holz in der Stadt“: Greifen Planer bei der Tragkonstruktion mehrgeschossiger Holzbauten auf konfigurierbare Brettsperrholz-Rippenelemente für Wand, Decke und Dach von Lignotrend zurück, ist nun die erfolgreiche Umsetzung moderner Brandschutz-Konzepte in der Praxis einfach und sicher.     

Mit Vorurteilen im Holzbau aufräumen
 Jörg Kaiser, der als baugewerblicher Architekt mit seiner Projektgesellschaft Wasenweg GmbH bei einem der Gebäude auch die Ausführung verantwortete, hatte für die Konstruktion beider Mehrgeschosser ursprünglich ein Hybridsystem aus Stahlbeton und Holz vorgesehen. Zwar integriert er Lignotrend- Elemente sowie Gutex-Produkte seit Jahren regelmäßig in seine Bauten – aber einen reinen Massivholzbau in Gebäudeklasse 4, ganz auf Basis der innovativen Brettsperrholzbauteile für Wände, Decken und Dach, hatte er trotz veränderter Landesbauordnung noch nicht konzipiert. Zu hoch schienen bislang die Hürden hinsichtlich Brandschutz, Schallschutz und Statik und auch seine Bauherren äußerten sich dahingehend oft skeptisch. 

Doch noch während Kaiser an den Baueingabeplänen arbeitete, erfuhr er von den neuen brandschutztechnischen Möglichkeiten mit Ligno-Bauteilen. Die Holzbauspezialisten aus dem benachbarten Weilheim-Bannholz hatten die Chance genutzt, die sich mit der neuen LBO ergeben  atte, und ihre auf Sichtqualität spezialisierten Brettsperrholz-Elemente auch für die höheren Gebäudeklassen weiterentwickelt und geprüft. Jörg Kaiser nahm die Herausforderung an und realisierte beide Wohngebäude in Lignotrend-Massivholzbauweise. Das einzigartige Vorzeigeprojekt beweist, dass die moderne Massivholzbauweise heute anderen Bauarten und Baumaterialien auch bauphysikalisch mindestens ebenbürtig ist. Dass dabei das Holz sichtbar bleiben konnte und durch die Bauteile mit astfreiem Weißtannenholz zugleich eine designgeprägte Innenarchitektur möglich wird, freute den Gestalter besonders.

Mit cleveren Details den baulichen Brandschutz sichern
Seit 2015 können Holzbauten der Gebäudeklasse 4 in einem vereinfachten Genehmigungsverfahren gemäß § 52 der baden- württembergischen LBO ohne baubehördliche Prüfung der eingereichten Planung realisiert werden. Stattdessen wurde die Beauftragung eines Brandschutzgutachtens Pflicht, bei dem die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachzuweisen ist. Die Anforderung der Musterholzbaurichtlinie nach einer hohlraumfreien Bauweise gilt weiter. Alle Bauteile müssen zudem so hergestellt und eingebaut werden, dass Feuer und Rauch nicht über Grenzen von Brand- oder Rauchschutzbereichen, insbesondere Geschosstrennungen, hinweg übertragen werden können. Die Veränderungen im Baurecht lenken den Fokus moderner Brandschutzkonzepte also vermehrt auf die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzziele und deren Einhaltung, die Reglementierung der einzusetzenden Bau- und Dämmstoffe tritt demgegenüber in den Hintergrund. Das schafft den notwendigen Spielraum für mehrgeschossigen Holzbau sowie für Wohnraumverdichtung durch Aufstockung in Hol bauweise.Lignotrend hat die beim Riedpark eingesetzten Brettsperrholz- Tragelemente für Wand, Decke und Dach diesen Vorgaben entsprechend angepasst und geeignete Details entwickelt.

Besondere Anforderungen im Treppenhaus
Sogar die beiden Aufzugstürme und die Treppenhauswände konnten aus großformatigen Brettsperrholztafeln konstruiert werden, lediglich für die Treppenläufe kamen Betonfertigteile zum Einsatz. Damit der Treppenraum auch nach mehr als 60 Minuten als Fluchtweg genutzt werden kann und für die Feuerwehr als Rettungsweg bestehen bleibt, bekam auch die treppenhausseitige Wandschale eine entsprechende Beplankung mit Gipskarton-Feuerschutzplatten. Für das Bauteil – eine „Brandwand-Ersatzwand“ – war die Feuerwiderstandsklasse REI 60-M zu erfüllen, mit Berücksichtigung einer etwaigen zusätzlichen mechanischen Beanspruchung im Brandfall.   

Ökologisches WDV-System
Damit die wohngesunde Massivholzbau-Philosophie nicht an der Gebäudehülle endet, entschieden sich die Planer für den Einsatz des ökologischen Wärmedämmverbundsystems Thermowall von Gutex. Die Dämmebene in den Außenwänden entspricht einer zweiten Wandschale aus Dämmständern U*psi F mit vorgesetzter Gutex Thermowall. Während die Gefache mit der Einblasdämmung Thermofibre von Gutex gefüllt wurden, besteht das ökologische WDVS aus einer einschichtigen, homogenen Holzfaserdämmplatte und speziell darauf zugelassenen Putzkomponenten. Die Putzträgerplatte Gutex Thermowall kann auch im Winter bis zu fünf Monate der freien Bewitterung trotzen, bis in den wärmeren Frühlingsmonaten der Putz aufgebracht wird.

Holzfaserdämmstoffe haben ein gutmütiges Brandverhalten: Wird eine Holzfaserdämmplatte einer Brandbelastung ausgesetzt, bildet sich eine Verkohlungsschicht, die den weiteren Branddurchgang hemmt. Das ermöglicht hohe Feuerwiderstände mit über 100 Minuten ohne Abtropfen und mit so gut wie keiner Rauchbildung. Im Riedpark wurde der Einsatz der natürlichen Holzfaser für die Putzträgerplatte sowie für die Gefachdämmung genehmigt. Bei Fassaden von höheren Gebäuden ist es essentiell, einen etwaigen vertikalen Brandfortschritt zu begrenzen. Im Geschossübergang wurden darum im Bereich der Dämmebene nichtbrennbare Abschottungen angeordnet. 

Im Feuchte-, Schall- und Holzschutz haben sich Holzfaserdämmstoffe ebenfalls bewährt. Sie bilden damit – ebenso wie die konst uktiven Ligno-Bauteile – die Ausgangsbasis für ein durch und durch gesundes Raumklima und für hohe Wohnbehaglichkeit.    

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