Ökologisch, flexibel, smart, preisgünstig und schnell errichtet

Moderner Modulbau im Trend

Bauplaner 7-8/2022
Objekte
Green Engeneering: Umwelt, Energie, Mensch
Die Baubranche steht vor großen Herausforderungen, nicht zuletzt durch die Verteuerung von Baumaterialien, den anhaltenden Mangel an Bauunternehmen und Fachkräften sowie die zunehmende Digitalisierung. Gleichzeitig kann sie tiefgreifende Lösungen für die generellen Herausforderungen unserer Zeit bieten, um Gebäude zu errichten, die Komfort, Preis und Ressourcenverbrauch in Einklang bringen. Für beide Bereiche ist dies mit intelligenten multifunktionalen Räumen aus regenerativen Materialien mit niedrigem Flächenbedarf inklusive Eigenleistungen der Auftraggebenden realisierbar, wie das Beispiel „The Future House“ zeigt.

Das Konzept des deutschen Start-ups GC-Group GmbH vereinigt mehrere Trends: Smart Building, Ökologie, gesunden Lebensraum, nachhaltige und flexible Modulbauweise. Unter dem Namen „The Future House“ bietet der Hersteller Designhäuser im Bauhausstil an. Ihre Wand- und Deckenkonstruktion ist patentiert. Der Holzskelettrahmen wird mit maßgefertigten Holzfaserdämmblöcken und überlangen Holzschrauben im Sandwichverfahren verschraubt. Mit ihrem Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0,015 W/(m²K) entsprechen sie einem ökologischen Niedrigenergiehaus. Es lässt sich am jeweiligen Errichtungsort mit den gewünschten Modulen aufbauen. Wenn Änderungen der Lebenssituation der Nutzenden eintreten, können die Bauten leicht um-, ab- oder sortenrein auseinander gebaut werden. Neben dem nachwachsenden Rohstoff Holz setzt das Unternehmen mittel- und langfristig auf alternative natürliche Rohstoffe wie Bambus. Dieser Kreislaufansatz („Cradle to Cradle”) ist ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil des Baukonzepts. Es schafft CO2-neutrale qualitätsvolle Gebäude, deren Fertigungskosten sich durch Eigenleistungen reduzieren lassen. Ein schlüsselfertiges Haus kostet – ohne Eigenleistung; inklusive Installation, Haustechnik und Innenausbau – weniger als 2.500 Euro pro m2 Fläche. Diese können durch Eigenleistungen bis zu 20 Prozent vermindert werden, was sie insbesondere für Auftraggebende mit wenig Eigenkapital oder kleinem Budget interessant macht. Der Innenausbau kann gegebenenfalls auch schrittweise erfolgen.
 

Alles zu seiner Zeit
„The Future House“ arbeitet mit minimalen Verwaltungskosten, denn die zum Bau eines Hauses benötigten standardisierten Materialien werden direkt aus der Produktion zum Aufbauort geliefert. Die Auftraggebenden müssen vorab entscheiden, ob sie den Bausatz selbst errichten, oder ob zwei Monteure von zertifizierten Lizenzpartnern der GC-Group innerhalb von maximal zwei Wochen die Gebäudemodule zusammenschrauben. Hierfür sind nur ein Akkuschrauber und eine Haushaltsleiter nötig. Eine zehn Meter lange Wand lässt sich in zwei Stunden montieren. Als Fundament dienen, neben der Bodenplatte, auch Punkt- oder Streifenfundamente aus Betonfertigteilen. Durch das Design im Bauhausstil wirken die Effizienzhäuser (KfW-Standard 40+) zeitlos modern. Ihre Grundform kann individuell angepasst werden. Eine „aktive Fassade“ lässt sich wiederum mit CIGS-Modulen erzielen: Die dünnen und leichten Solarzellen (Photovoltaik, PV) besitzen einen röhrenförmigen Absorber. Sie versprechen eine Stromproduktion von rund 150 W/m2 PV-Fläche, unabhängig von der Ausrichtung/Himmelsrichtung. Damit kann mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und ein Betrieb mit erneuerbaren Energien erreicht werden… 

Durch und durch Smart
Die planvolle Konstruktion von „The Future House“ setzt sich bei der flexiblen und intelligenten Innenausstattung fort: In einem mobilen Musterhaus installierte der Meisterbetrieb Elektro Lutz aus Alzenau ein KNX System von Gira. Darin lassen sich - neben der Steuerung von Licht, Jalousie und Heizung - weitere Anwendungen einbinden, beispielsweise Türkommunikation, Audio- und Lichtsysteme. Das Konzept erlaubt so verschiedenste Arten von Nutzungen. Ebenso ist die Fläche des Flachdachs unterschiedlich bespielbar, zum Beispiel als Terrasse oder PV-Fläche.

Für die Technische Gebäudeausstattung und für größere Bauten zieht die GC-Group Architekten und Planer hinzu. Sie werden durch die im Konzept mitgedachten Eigenleistungen also nicht obsolet, sondern die jeweiligen Projekte bedarfsgerecht optimiert.

Fazit
„The Future House“ setzt bei seinem jeweils bedarfsspezifisch ausgestaltbaren Konzept auf den Dreiklang von 
„Suffizienz“ (Überverbrauch von Ressourcen und Energie begrenzen),
„Konsistenz“ (naturverträgliche Technologien einsetzen, zum Beispiel erneuerbare Ressourcen und Energien, geschlossene Stoffkreisläufe),
„Effizienz“ (mit möglichst geringem Ressourceneinsatz möglichst viel erreichen).

Dies reagiert auf das Wissen um die Endlichkeit unserer globalen Ressourcen. Denn Gebäude sind ein Schlüsselsektor, um die für 2045 avisierte Treibhausgasneutralität zu erreichen. Dafür braucht es gravierende Veränderungen, auch im Konsumverhalten. Zeitgemäße (digitale) Ansätze und Methoden können dabei unterstützen, Gebäude nachhaltiger zu planen, zu bauen und zu betreiben.
 

Montage anschaulich
Ein Video auf www.the-future-house.com zeigt, dass der Rohbau von nur zwei Personen aufgebaut werden kann. Lediglich für den Einbau der Fenster ist eine dritte Person erforderlich. Das Wissen, sein Haus mit der patentierten Wandkonstruktion selbst zusammenzuschrauben, können sich Interessierte auch im Rahmen von Selbstbaukursen in Karlstein (Main) aneignen.