Weitsichtig planen

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green BUILDING 5/2013

Stadtquartiere rücken heute immer mehr in den Fokus der Nachhaltigkeitsdiskussion, denn auf einzelne Gebäude beschränkte technische Maßnahmen gegen Klimawandel und Ressourcenverbrauch erfassen viele nachhaltigkeitsrelevante Aspekte eines Siedlungsraumes nicht, z. B. das Mobilitätsverhalten, die Verkehrsinfrastruktur, die Lebensqualität. Immer mehr Stadtplanern, Architekten, Kommunalpolitikern und Bürgern wird deshalb klar, dass die nachhaltige Entwicklung in städtischen Ballungsräumen eine interdisziplinäre Querschnittsaufgabe ist, die sich nur mit aktiver Beteiligung aller Akteure lösen lässt. Um alle Facetten technischer, ökologischer, gestalterischer, sozialer, raumplanerischer und wirtschaftlicher Faktoren zu thematisieren und als Ganzes zu begreifen, müssen wir lernen, die unterschiedlichen Sichtweisen der Akteure miteinander zu verbinden. Das wird in erster Linie die Aufgabe von Stadtplanern und Architekten sein.

Die in Wien lebende Stadtforscherin und Künstlerin Elke Krasny gibt in einem Interview in den Salzburger Nachrichten vom 8. September 2012 den Rat: „Es ist schon einmal wichtig, dass jene, die Architektur planen, erkennen, dass die eigene Perspektive manchmal eben nicht ausreicht. Dass Städtebau von oben eben auch an Grenzen stoßen kann, dass eine aktive Partizipation von unten die Stadt beleben kann.“ Derzeit praktizieren viele Bürger mit Urban Gardening in den Megacitys weltweit diese ungeplante Stadtentwicklung von unten. Sie erobern sich damit ihr Quartier zurück, das vielfach vom traditionellen Entwerfen und Bauen der Stararchitekten vernachlässigt wird. Dabei ist das Stadtquartier eigentlich der Ort, wo sich Nachhaltigkeit geplant entwickeln lässt, wenn Stadtplaner und Architekten die lokalen Potenziale nutzen und die Bedürfnisse der Bewohner mit ihren Konzepten in Einklang bringen. Minimaler Verbrauch an Ressourcen wie Boden, Energie, Wasser und Erhaltung der biologischen Vielfalt sind die Basis der Planung. Umsetzen lässt sich ein Nachhaltigkeitskonzept auf Quartiersebene unter anderem mit Niedrig- oder Plus-Energie-Gebäuden, der Nutzung erneuerbarer Energie, der Reduzierung von Abfallmengen, der Begrenzung des Wasserverbrauchs, dem Einsatz umweltverträglicher Materialien und mit der Koordination nachhaltiger Mobilitätsarten. Bauliche Verdichtung und funktionale Durchmischung, beispielsweise Bauten für Gesundheitswesen, Kinderbetreuung, Ausbildung, Freizeit und Einkauf, verhindern monofunktionale Schlafquartiere oder Geschäftszentren, die zudem noch Pendelverkehr generieren. Um Faktoren der sozialen Nachhaltigkeit wie das Zusammenleben mehrerer Generationen und eine soziokulturelle Durchmischung zu fördern, muss ein Wohnungsangebot für alle Gruppen und Schichten der Bevölkerung geschaffen werden. Arbeitsplätze im Quartier tragen nicht nur zur vitalen lokalen Wirtschaft bei, sondern sind in der Nutzungsphase entscheidend für eine langfristige Kosten-Nutzen-Effizienz.

Die Schaffung nachhaltiger Quartiere und deren Einbindung in eine übergeordnete Stadtstruktur ist ein dynamischer Prozess. Er erfordert entsprechendes Know-how bei allen Akteuren sowie anpassungsfähige Verwaltungsstrukturen. Beteiligungsprozesse der Bürger fördern die Akzeptanz von Projekten und stärken die Identifikation mit dem Wohnviertel. All diese Aspekte sind eine gute Basis für hohe Lebensqualität im einzelnen Quartier – und vervielfältigt letztlich auch in der gesamten Stadt.

Dipl.-Ing. (FH) Iris Kopf
Verantw. Redakteurin

Rubrik: Editorial

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